
„Nicht im Kopf, sondern im Herzen liegt der Anfang“, schrieb einst der russische Schriftsteller Maxim Gorki – überzeugt, dass gute Taten, echte Überzeugungen und Veränderungen im Leben nicht allein durch reines Nachdenken, sondern durch Mitgefühl und Leidenschaft motiviert werden. Dies gilt auch für Susanne und Gerhard Leinz sowie Judith van Vlodrop, die sich ehrenamtlich für das Patenprojekt Stützrad des Krefelder Kinderschutzbunds engagieren. Als verlässliche Bezugspersonen stehen sie Kindern aus belasteten Familiensystemen zur Seite und schenken ihnen gemeinsame Zeit, Herz und offene Ohren. Wie beide Seiten voneinander profitieren, zeigt ein Besuch im ehemaligen Bröckske.
Mit dem Glockenschlag der nahen Dionysiuskirche beginnt unser Gespräch pünktlich um zehn Uhr morgens. In den neuen Räumen des Kinderschutzbunds trifft moderner Industriestil mit Sichtbeton auf skandinavische Gemütlichkeit. So warmherzig wie die Einrichtung ist auch die Atmosphäre: Man umarmt sich, plaudert, bestellt erst mal Kaffee und duzt sich, auch wenn der Altersunterschied teils einige Jahrzehnte ausmacht. Doch dieser spielt keine Rolle, geht es doch allein um das Wohl von Kindern, denen es an Zuversicht und Geborgenheit fehlt, weil sie das Pech hatten, in schwierige Verhältnisse geboren zu werden.
Weronika Zimecka, Koordinatorin des Patenprojekts Stützrad, erklärt mit festem Blick, in welcher Situation sich die vermittelten Kinder zwischen drei und 13 Jahren befinden: „Viele Eltern sind aufgrund eigener psychischer Belastungen nicht immer in der Lage, ihren Kindern im Alltag die notwendige Stabilität zu geben. Das können alleinerziehende Mütter sein, Menschen mit problematischer Vergangenheit oder Paare, die mit der Erziehung einfach überfordert sind. Hier setzen die Stützrad-Paten an, die Kindern Zeit schenken, ihnen zuhören, Mut machen und Perspektiven aufzeigen.“ Im Grunde fungieren die Paten wie ein Stützrad am Fahrrad – sie geben Halt und Sicherheit. „Schon wenige Stunden pro Woche können einen nachhaltigen Unterschied im Leben eines Kindes machen“, weiß Hannah Badberg, die mit Weronika das Projekt fachlich begleitet.

Wer jetzt denkt, „Das könnte ich nicht!“, wird von Ehepaar Leinz und Judith van Vlodrop eines Besseren belehrt. Drei Augenpaare leuchten, wenn sie lebhaft von „ihren“ Kindern berichten, wie diese sich freudig in die Arme stürzen. Alle hatten in der Zeitung vondem Projekt gelesen und sich spontan an den Kinderschutzbund gewandt. „Nach dem Tod meiner Eltern hatte ich trotz Vollzeitjob ganz viel Zeit“, erzählt Judith van Vlodrop von ihrer Motivation. „Meine Kinder sind aus dem Haus, und ich möchte von meinem Wohlstand etwas abgeben.“ Das solle nicht pathetisch klingen, sei sie doch selbst alleinerziehend gewesen und kenne die finanziellen Nöte. Nun genieße sie die Treffen mit ihrem vierjährigen Jungen, den es oft mit dem Laufrad zum Spielplatz ziehe. Oder zur Eisdiele. Denn „man muss gar nichts Großartiges bieten, im Fokus steht das Kind und eine schöne Zeit zusammen“, so die Krefelderin. Auch Susanne und Gerhard Leinz, die gleich zwei Geschwister betreuen, legen Wert darauf, dass die Kinder „ungeteilte Aufmerksamkeit bekommen und ohne Erwartungen so angenommen werden, wie sie sind.“ Neben der Zeit mit der eigenen Familie engagiert sich das aktive Rentnerpaar für seine Patenkinder: Gemeinsam füttern sie Tiere auf dem Hülser Berg, backen Waffeln, spielen oder gehen Pommes essen. „Wir passen super zusammen und bekommen viel zurück“, heißt es unisono.
„Schulungen und regelmäßige Treffen sorgen für Sicherheit und einen offenen Austausch“, betonen die Koordinatorinnen. Fünf Module zu Themen wie kindliche Entwicklung, psychische Erkrankungen oder Kommunikation müssen vorab absolviert werden, damit die Paten gut vorbereitet ins Ehrenamt gehen. Begleitend zur Schulung finden erste Treffen mit dem Kind in der Geschäftsstelle und in seinem Zuhause statt. Auch während der anschließenden Patenschaft ist das Team jederzeit ansprechbar, falls Probleme auftreten. „Man bekommt ein Kinderherz geschenkt und trägt Verantwortung, daher achten wir sehr darauf, dass die Chemie stimmt.“ So sollten Interessenten nicht nur Geduld und Einfühlungsvermögen mitbringen, sondern auch die Bereitschaft, eine verlässliche Beziehung aufzubauen. „Die Dauer ist schon langfristig angelegt, doch wir machen keine festen Vorgaben, wie genau die Treffen stattfinden. Wöchentlich wäre schön, aber kein Muss.“ Über den Kinderschutzbund könne zudem eine Familienkarte beantragt werden, um vergünstigte Tickets zu erhalten.
Ob berufstätig oder im Ruhestand, ob kinderlos oder mit Enkeln – wer Kinder mag, wird hier ein sinnstiftendes Ehrenamt finden, das lange nachwirkt. Auch wenn man irgendwann loslassen muss.
Neue Patinnen und Paten sind herzlich willkommen. Die nächste Schulung startet im Februar 2027.
Der Kinderschutzbund
Ortsverband Krefeld e.V.
Weronika Zimecka
Mobil: 0155 66 22 47 86
E-Mail: weronika.zimecka@kinderschutzbund-krefeld.de
Marktstraße 41
47798 Krefeld
Fotos: Felix Burandt

