
Im Schützenzelt mit Freunden zusammensitzen, die Stimmung ist bestens, und dann spielt die Blaskapelle genau den richtigen Klassiker: Die Arme gehen nach oben, alle singen mit. „Gummibär’n, hüpfen hier und dort und überall. Sie sind für dich da, wenn du sie brauchst … “ Und genau wie die Gummibären sind auch die Mitglieder des Blasorchesters Gellep-Stratum immer mit dem richtigen Lied für die richtige Stimmung da.

Bis es so weit ist, braucht es allerdings einiges an Übung. Bei der Probe des Nachwuchsorchesters klingen die Gummibären noch ein wenig behäbig. Jeden Dienstag von 18.30 bis 19.30 Uhr treffen sich hier die Anfänger, um gemeinsam zu musizieren. „Bei uns im Verein sind alle Altersklassen vertreten. Von sechs bis 70 Jahren“, erzählt die erste Geschäftsführerin Michelle Kupp.
Früher seien häufig ganze Familien, insbesondere aus Stratum, im Orchester aktiv gewesen. Das beste Beispiel ist ihre eigene Familie. Ihr Onkel Roland Holloh ist seit 46 Jahren Mitglied und heute erster Vorsitzender des Vereins. „Ich habe damals Wirbeltrommel gespielt“, erinnert er sich. Im Laufe der Jahre lernte er, weitere Instrumente zu spielen, später kamen seine Tochter und Nichte hinzu. Inzwischen hat sich die Zusammensetzung des Orchesters verändert. Neben langjährigen Mitgliedern musizieren heute viele Menschen, die erst später zum Verein gefunden haben.
Damit aus den verschiedenen Registern eine Gemeinschaft wird, organisiert der Verein regelmäßig gemeinsame Unternehmungen. „Bei den Proben ist der Nachwuchs schon weg, wenn das große Orchester kommt. Da lernt man sich auf solchen Events kennen“, erklärt Roland. In diesem Jahr ging es beispielsweise auf einen Bauernhof. „Dort lag der Fokus dann nicht auf Proben oder Auftritten“, berichtet seine Tochter Jessica Holloh, die erste Schriftführerin des Vereins. Stattdessen standen der gemeinsame Spaß und das Miteinander von Mitgliedern und Angehörigen im Mittelpunkt.

Musikalisch ist das Blasorchester Gellep-Stratum längst nicht auf traditionelle Marschmusik beschränkt. Neben den Klassikern für Schützenfeste gehören Pop-Hits der Backstreet Boys, Filmmusik von John Williams und Hans Zimmer sowie Stücke aus „Fluch der Karibik“ und „Game of Thrones“ zum Repertoire. Auch die Beatles, Elton John, Queen und John Miles finden ihren Platz.
Besonders beliebt sind bei den Mitgliedern die Auftritte zur Karnevalszeit. „Karneval ist immer toll, da wir dann gemeinsam den Wagen für den Karnevalsumzug passend zu unseren Mottokostümen bauen“, schwärmt Jessica Holloh. Der Zug in Stratum sei eine ausgesprochen familiäre Veranstaltung, ergänzt ihr Vater Roland. Hier feiern Großeltern, Eltern und Kinder gemeinsam. Eine besondere Gelegenheit bot sich dem Orchester im August bei einer Sommerkarnevalsveranstaltung im Beachclub Uerdingen. „Da hatten wir einen ganz besonderen Auftritt“, freut sich Michelle Kupp. Mit Karnevalsklassikern sorgten die Musiker für ausgelassene Stimmung.
Einen besonderen Grund zum Feiern hatte der Verein in diesem Jahr ohnehin. 1926 entstand aus dem Marianischen Jünglingsverein das Pfarrorchester St. Andreas, aus dem vor rund fünf Jahren das heutige Blasorchester Gellep-Stratum hervorging. Sein 100-jähriges Bestehen feierte das Ensemble mit geladenen Gästen. Dass es überhaupt so weit gekommen ist, war zwischenzeitlich keineswegs sicher. Vor allem die Corona-Pandemie brachte den Verein in Schwierigkeiten. Die bezahlten Auftritte fielen aus und damit auch wichtige Einnahmen. „Wir hatten nach Corona ein echtes Problem, und wir wussten nicht, ob es weitergeht. Deshalb sind wir froh, dass wir die 100 Jahre geschafft haben“, erzählt Roland Holloh.

Damit das Orchester auch in Zukunft bei Schützenfesten, Martinszügen und Karnevalsveranstaltungen für die passende Musik sorgen kann, sucht der Verein neue Mitglieder. Besonders willkommen sind Nachwuchsmusiker für Holzblasinstrumente wie Klarinette, Saxofon und Flöte sowie für tiefe Blechblasinstrumente wie Posaune und Tuba. Dabei sind Vorkenntnisse am Instrument hilfreich, aber bei Weitem kein Muss. „Bei uns sind alle gern gesehen. Egal, ob man ein Instrument neu lernen möchte oder ob man nach einer Pause wieder einsteigen möchte“, betont Michelle. Denn vor der Nachwuchsorchesterprobe bekommen gezielt einzelne Instrumentengruppen Unterricht. Der monatliche Mitgliedsbeitrag beträgt 15 Euro für Erwachsene und 7,50 Euro für Kinder. Ein Leihinstrument und die Uniform sind darin bereits enthalten, sodass für den Einstieg keine größeren Anschaffungen notwendig sind. Wer merkt, dass ihm das gewählte Instrument doch nicht liegt, kann auch wechseln. So sitzen bei der Nachwuchsprobe Grundschulkinder zusammen mit Rentnern im Orchester und lernen alle ihr Instrument neu.
Wie viel Freude das gemeinsame Musizieren macht, zeigt sich am Ende der Nachwuchsprobe. Die Gummibären, die zu Beginn noch etwas schwerfällig durch den Probenraum hüpften, haben inzwischen deutlich an Schwung gewonnen. Die Melodie sitzt, die Musiker spielen mit sichtlicher Begeisterung. Und man kann sich gut vorstellen, wie irgendwann im Schützenzelt alle mitsingen.
Probenzeiten:
Nachwuchsorchester dienstags von 18.30 bis 19.30 Uhr
Großes Orchester von 19.30 bis 21.30 Uhr
Römerstraße 12
47809 Krefeld
E-Mail: orchesterstratum@gmail.com
www.orchester-stratum.de
Instagram: blasorchester_stratum
Fotos: Lucas Coersten

