
Was ist eigentlich Fitness? Für einen Läufer zählt die Zeit auf 100 Metern oder zehn Kilometern, beim Kraftsport das Gewicht auf der Hantel und beim Tennis die Kondition für einen langen fünften Satz. Doch Fitness ist kein fester Wert und lässt sich nicht für jeden Menschen nach denselben Maßstäben beurteilen. Bedingungen wie das Alter, gesundheitliche Voraussetzungen, persönliche Ziele und der eigene Alltag entscheiden mit darüber, wie eine sportliche Leistung zu bewerten ist. Keine bahnbrechende Erkenntnis, aber was sich dahinter wirklich verbirgt, sieht Personal Trainer Julius Krölls bei seiner Arbeit jeden Tag.
Wer an Personal Training denkt, hat schnell ein bestimmtes Bild im Kopf: Zwei durchtrainierte Menschen, die im Park Sprints absolvieren, Gewichte stemmen oder sich im Fitnessstudio zu Höchstleistungen pushen. Bei Julius Krölls sieht es oft ganz anders aus: Er steht neben einem Senior, der sich mit beiden Händen an der Lehne seines Küchenstuhls abstützt und kontrolliert in die Knie geht. Oder er unterstützt eine Klientin dabei, allein aus dem Sessel aufzustehen, ohne das Gleichgewicht zu verlieren. „Fitness bedeutet nicht zwangsläufig, schnell zu laufen oder schwere Gewichte zu stemmen“, erklärt Krölls. „Für meine Klienten beginnt sie ganz einfach mit der Fähigkeit, sich im Alltag sicher bewegen zu können.“

Eine Sichtweise, die der gebürtige Krefelder erst im Laufe seiner Arbeit als Trainer entwickelte. Als Eishockeyspieler verschob er selbst immer wieder seine Leistungsgrenzen und schaffte es mit Talent, Ehrgeiz und Disziplin bis in die Jugend- und Juniorenbundesliga. Noch heute steht er für Grefrath Phoenix auf dem Eis, wo es körperlich mitunter ordentlich zur Sache geht. Seine Leidenschaft für den Sport machte er schließlich zum Beruf. Nach seiner Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann vertiefte er sein Wissen in verschiedenen Bereichen des Personal Trainings und schlug dabei zunehmend einen Weg ein, der im Personal Training bis heute eine Ausnahme ist: die gezielte Arbeit mit älteren und gesundheitlich eingeschränkten Menschen. Mit Weiterbildungen zum medizinischen Fitnesstrainer und Übungsleiter Rehabilitation schuf er dafür auch die fachliche Grundlage.
Wer Krölls persönlich erlebt, würde hinter seiner zurückhaltenden Art kaum den Eishockeyspieler vermuten, der auf dem Eis regelmäßig um jeden Zentimeter kämpft. Er spricht ruhig und bedacht, lächelt freundlich und hört sehr aufmerksam zu. Gerade bei der Arbeit mit älteren oder gesundheitlich eingeschränkten Menschen kommtihm das zugute. Jemand, der lautstark antreibt oder gar maßregelt, ist hier fehl am Platz. Vielmehr braucht es Geduld, Aufmerksamkeit und ein gutes Gespür dafür, was gerade möglich ist. Krölls vermittelt Sicherheit, macht Mut und gibt seinen Klienten die Zeit, die sie brauchen.

„Im Seniorensport konzentriere ich mich vor allem auf Kraft, Beweglichkeit, Gleichgewicht und Ausdauer“, gibt er einen Einblick in seine Arbeit. „Lassen diese Fähigkeiten nach, wird der eigene Bewegungsradius immer kleiner. Dem möchte ich entgegenwirken.“ Krölls arbeitet individuell und dort, wo es für seine Kunden am besten passt: zu Hause, draußen im Park oder auch direkt in Senioren- und Pflegeeinrichtungen. Das nötige Equipment bringt er mit. „Ich presse niemanden in ein fertiges Schema“, sagt er. „Mein Training richtet sich immer danach, was im jeweiligen Alltag tatsächlich benötigt wird. Und was Spaß macht, natürlich!“
Noch mehr Fachwissen und Fingerspitzengefühl verlangt das Training bei gesundheitlichen Einschränkungen. Im medizinischen Fitnesstraining arbeitet Krölls unter anderem mit Menschen, die unter orthopädischen Beschwerden oder chronischen Erkrankungen wie Parkinson, Diabetes oder Bluthochdruck leiden, sowie mit Personen, die sich nach einem Schlaganfall, einem Herzereignis oder einem Unfall wieder körperlich belasten möchten oder ihre Rehabilitation bereits abgeschlossen haben. Gegebenenfalls sollte vor Beginn des Trainings Rücksprache mit dem Hausarzt gehalten werden. „Ich brauche Klarheit darüber, was möglich ist und wo die Grenzen liegen“, erklärt Krölls. „Dann geht es darum, Überbelastungen zu vermeiden, die richtige Dosis zu finden und darauf aufzubauen.“

Das medizinische Fitnesstraining ersetzt weder eine ärztliche Behandlung noch Physiotherapie oder Rehabilitation. Es ergänzt diese Bereiche durch ein individuell abgestimmtes Training mit dem Ziel, körperliche Fähigkeiten zu stabilisieren, Belastbarkeit aufzubauen und Bewegung wieder stärker im eigenen Leben zu verankern. Genau diese Bandbreite macht für Krölls den Reiz seines Berufs aus. An einem Tag arbeitet er mit ambitionierten Sportlern, am nächsten mit Menschen, für die ein vermeintlich kleiner Fortschritt konkrete Auswirkungen auf die Lebensqualität im Alltag hat. „Wenn ein Klient merkt, dass etwas wieder geht, was lange gar nicht oder nur unter Schmerzen möglich war, ist das für mich ein genauso großer Erfolg wie einem Sprinter zur persönlichen Bestzeit zu verhelfen“, sagt Krölls und setzt nach kurzem Überlegen mit einem Lächeln nach: „Eigentlich ist es sogar noch schöner.“
Julius Krölls Personaltraining
Montag – Freitag, 9 – 20 Uhr, Samstag 9 – 15 Uhr
Telefon: 0157 – 55431732
E-Mail: kontakt@kroells-pt.de
kroells-pt.de
Fotos: Niklas Breuker

