Lothar Krenge

Spediteur mit Leib und Seele

Den bei seinem Einstieg 26 Mann starken Betrieb baute Krenge zu einem international agierenden Dienstleister mit 450 Mitarbeitern aus.

Sein zweistöckiger Bürocontainer ist für Lothar Krenge wie ein kleines Refugium und gleichzeitig auch ein ans Herz gewachsener Arbeitsplatz. Seine Heimat hat der Ruheständler in Bildern festgehalten. Historische Ansichten von Braunschweig schmücken die Wand. Draußen gibt es eine kleine Veranda, innen eine Kaffeeküche, einen  Besprechungsraum, seinen PC-Tisch und beste Sicht auf das Firmengelände seines Lebenswerks: die Lagerhallen der Immobiliengesellschaft Krenge & Bönders. Mit Freunden und Weggefährten trifft sich der ehemalige Firmenchef gerne noch hier oben zum Plaudern und einem Gläschen Champagner. Die Immobilien-Sparte der heutigen B+K-Unternehmensgruppe führt er noch immer. Losgelassen hat er 2020 schon administrativ, emotional eng verbunden aber ist Krenge natürlich mit seiner geschaffenen Großmacht für Kontraktlogistik bis heute. Und das wird auch so bleiben.

„Ich wollte unbedingt ein Büro behalten nach meinem Ausscheiden“, erzählt der gut gelaunte 74-Jährige im nett eingerichteten Container. Im Regal sieht man sie: eine Flotte an Modelllastwagen. Lothar Krenge ist ganz mit sich im Reinen nach 35 zeitintensiven Jahren. „Ich fühle mich rundum wohl, bin glücklich und zufrieden“, erzählt der gutherzige Patron aus Traar, der 1987 als Geschäftsführer in die Firma von Ulrich Bönders einstieg und den damals 26 Mann starken Betrieb bis heute in einen international operierenden Dienstleister mit breitem Angebotsspektrum und insgesamt 450 Mitarbeitern ausgebaut hat – mit viel Weitsicht und wenig Kirchturmdenken und in Anlehnung an den Branchenriesen Kühne + Nagel, wo der junge Lothar Krenge 18 Jahre verbrachte und lernte, wie man Logistik und Spedition voranbringt. Fünf Unternehmen mit unterschiedlichen Schwerpunkten gehören heute zur B+K-Gruppe, wo er auch jeweils Anteilseigner ist. Seine Verantwortung übergab er zum 1. Januar 2021 in jüngere Hände: André Dohr, der unter ihm 1987 als Azubi begonnen hatte und seit 2017 Co-Geschäftsführer war. Dazu Prokuristin Petra Schimmer und der geschäftsführende Gesellschafter Tim Bönders, Sohn des früheren Inhabers. Das neue Triumvirat, das Lothar Krenge gut schlafen lässt. „Ich habe mein Ausscheiden über Jahre vorbereitet. Der Übergang war harmonisch und lief wie gewünscht“, erzählt der Ruheständler. „Der Laden ist wahnsinnig erfolgreich. Ich bin stolz darauf, dass alles, was ich aufgebaut habe, so weitergeführt wird.“           

Auch mit 74 Jahren kann sich Lothar Krenge von seinem Unternehmen noch nicht ganz trennen.

Der Mensch stand immer im Mittelpunkt seiner Unternehmenskultur, die der eifrige Niedersachse nicht nur am Hauptsitz an der Bataverstraße implementiert hat. Der Mitarbeiter, der mit Lust zum Dienst erscheint und diesen Ort nur ungern wieder verlässt. Empathie auch gegenüber den Kunden. Mitdenken. Und dazu genügend Personal. Viele Auszubildende stellte er zu Beginn seiner Amtszeit ein. „Nur so kann man eine Dienstleistung ausführen.“ Der Geschäftsbereich entwickelte sich vom reinen Transport hin zu einem Kontraktlogistiker. Auf den Kunden zugeschnittene Logistikkonzepte von Dauer, die weit über die Lagerhaltung hinausgehen. „Wir gingen in die Wertschöpfungskette hinein, damit wir so leicht nicht mehr hinausgedrängt werden konnten.“ Spezialgeschäfte bediente Krenge wie zum Beispiel durch Organisation des Fensterbaus in den neuen Bundesländern nach der Wende. Oder die Integration der großen Kaffeerösterei Tchibo in den Einzelhandel. Für BMW organisierte er die Zulieferung von Ersatzteilen in die Werkstätten. Auch der fernöstliche Markt war ihm kein Neuland, hatte er doch schon in jüngeren Jahren Kontakte durch viele berufsbedingte Auslandsreisen geknüpft, bis er auf Wunsch seiner Frau in ein Mittelstandsunternehmen wechselte, um mehr Zeit zu Hause verbringen zu können.  

Lothar Krenge ist ein Mann von Welt und einer, dessen Freundlichkeit aus dem Herzen kommt. Ein Chef, der seine Mitarbeiter wertschätzt und auch mal mit kleinen Geschenken überrascht: In guten Jahren schüttete er beispielsweise zu Nikolaus auch mal einen Betrag von 324 Mark pro Person aus, weil dies die durchschnittlichen Ausgaben der Deutschen für Weihnachten an Geschenken waren. Der Traarer arbeitet gerne viel. Spedition ist ein Vollzeit-Job. „Ich habe es mit Leib und Seele gemacht und jede Minute genossen“, blickt Krenge mit Genugtuung zurück. „Ich habe mit Menschen gearbeitet, die ich überzeugt habe, so zu leben und denen ich zu 100 Prozent vertraut habe.“ Nebenbei war er auch noch ehrenamtlich in 13 Funktionen aktiv: Vorsitzender im Verkehrsausschuss, Vize-Präsident des Marketingclubs, im Aufsichtsrat der Wirtschaftsförderung, Arbeitsrichter, um nur wenige zu nennen.

Um loszulassen von seinem Lebenswerk, entschied er, nach seinem Ausscheiden die Firma neun Monate lang nicht mehr zu betreten. Stattdessen baute er eben den Container in Sichtweite auf, blieb für Ratschläge immer ansprechbar für seine Nachfolger. Tennis, Skifahren, das hat der Tausendsassa immer gern betrieben. Heute schwingt er in Traar mit Vorliebe den Golfschläger und genießt die Zeit mit der Familie und seiner Frau Inge. Die Hobbys stellen eine Erfüllung dar. „Da ist die Welt in Ordnung.“ Niemals geht man so ganz, sagt der Volksmund. Und Lothar Krenge hält ja in einem Bürocontainer immer noch ein bisschen die Nähe zu dem Unternehmen, das auch seines geworden ist. Wer will es ihm auch verdenken.

B+K Group
Bataverstraße 15
47809 Krefeld
Telefon: 02151/5220-0
E-Mail: info@bk-group.de
bk-group.de

Fotos: Felix Burandt
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