Editorial

Liebe Crevelterinnen und Crevelter,

„seines eigenen Glückes Schmied“ sein: Die alte deutsche Redewendung erinnert dieser Tage nicht nur daran, dass der Flachsmarkt an der Burg Linn wieder vor der Tür steht und zehntausende Menschen in unsere Stadt locken wird, die sich an echter Handwerksarbeit erfreuen. Sie erinnert uns auch daran, dass wir versuchen sollten, unser Glück aktiv zu erzwingen, anstatt darauf zu hoffen, dass es uns durch eine Fügung des Schicksals in den Schoß fällt. Das betrifft sowohl die Art, wie wir unser Leben gestalten – privat und beruflich –, als auch, wie wir unsere Stadt erleben.

In der aktuellen Ausgabe haben wir wieder ein paar tolle Beispiele und Geschichten von Menschen zusammengetragen, die selbst ihren Teil dadzu beitragen, Krefeld zu einem lebenswerten Ort zu machen. Da sind zum Beispiel Ina Hünicke und Andreas Ullrich, die in ihrem Viertel MONA* – die Ausprobierbar eröffnet haben, einen nachbarschaftlichen Begegnungsort. Ihren Traum, das Miteinander zu fördern und Menschen zusammenzubringen, finanzieren sie aktuell noch einem Teil aus der eigenen Tasche. Dann sind da die Vereinsmitglieder des Bockumer Schützenverein 1611, die mit vielen freiwilligen Helfern an einem Strang ziehen, um das Straßenfest „Bockum verwöhnt“ auf die Beine zu stellen. Oder Dr. Silke Zimmermann, die der Schüttepavillon im Kaiserpark dazu inspirierte, eine außergewöhnliche Konzertreihe ins Leben zu rufen. Drei Beispiele von Menschen, die Krefeld mit ihren Ideen aufwerten – ganz ohne Profitgedanken.

Aber es gibt dazu auch eine andere Seite. Denn natürlich gibt es Menschen, die diese Möglichkeit nicht haben. Rund 2.000 Obdachlose leben in Krefeld, ungesehen, aber mitten unter uns, jeder mit einer eigenen Geschichte. Die Streetworkerin Karla Hannen hat einigen von ihnen eine Einwegkamera in die Hand gedrückt und sie dazu aufgefordert, Fotos zu machen. Fotos, die die Stadt und die Straßen aus ihrer Perspektive zeigen. Die Ausstellung, die daruas entstand, wirft nicht nur einen ganz neuen Blick auf Krefeld, sie zeigt auch, dass diese Menschen, deren Existenz wir gern verdrängen, uns sehr viel ähnlicher sind als wir denken. Und wieder sind es eine individuelle Idee und der persönliche Einsatz, die unsere Stadt bereichern.

Vielleicht schlummert auch in Ihnen ein Traum, eine Idee für ein Projekt, eine Veranstaltung, einen Ort, irgendetwas, das Sie in Krefeld aktuell vermissen. Überlegen Sie doch einmal, ob es nicht eine Möglichkeit gibt, diesen Traum wahr werden zu lassen! Krefeld würde sich freuen!

Viel Spaß beim Lesen,

Ihr Michael Neppeßen und David Kordes

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