Rock’n’Roll Club Number One

Flotte Sohlen und fliegende Petticoats

Petticoats und Bowlinghemden gehören beim Boogie-Woogie fest dazu.

Seit die Menschen auf zwei Beinen gehen, tanzen sie auch. Wir brauchen Tanz für unser Gehirn, für unseren Kreislauf, für Muskeln und Gelenke, und die koordinierte Bewegung zu Musik stärkt den menschlichen Zusammenhalt. Ein eindrückliches Beispiel dafür ist der Rock’n’Roll Club Number One mit seiner mehr als 40-jährigen Geschichte, in der sogar Deutsche-Meister-Titel im Turniertanz nach Krefeld geholt wurden. Noch immer werden im Verein Boogie-Woogie und Rock’n’Roll für alle Altersgruppen angeboten.

Die Männer und Frauen, die gerade für den Fotografen den Boogie getanzt haben, sind der beste Beweis dafür, dass Tanzen jung hält. Sie alle sind um die 60 Jahre oder älter, ihr Schritt ist noch immer beschwingt und sie sprudeln über vor Anekdoten. „Begonnen hat es 1983 damit, dass einige unserer Gründungsmitglieder in ihrem Tanzkurs einen Rock’n’Roll-Kurs gewonnen haben“, erzählt Werner Broich, früher Pressewart des RRC Number 1, „da aber kein Folgekurs angeboten wurde, formierten sie kurzerhand selbst den ersten Rock’n’Roll-Verein Krefelds.“ Den sieben Gründer*innen folgten bald weitere Mitglieder, wie das Ehe- und Tanzpaar Dietmar und Claudia Cornelissen. „Wir haben uns vor 46 Jahren kennengelernt, seit 30 Jahren sind wir Mitglieder“, legt der tanzbegeisterte Cornelissen dar, wie eng ihr Leben mit dem Verein verbunden ist. Auf seinem stilechten Hemd im Vintage-Look prangt das Vereinslogo, seine Frau und das andere Tanzpaar, Nello Manzo und Petra Koenen, sind ebenso im Retro-Chic gekleidet: Die Damen in Kleidern mit rauschenden Unterröcken, der Herr in weiten Hosen und Bowlinghemd. Lachend blicken sie auf gemeinsame Erlebnisse zurück. „Boogie kannst du überall tanzen“, erklärt Dietmar Cornelissen, „im Zelt, auf Bühnen oder Plätzen, bei Hochzeiten, Events oder einfach mit der passenden Musik.“ So kommt die Gruppe etwa am Stadtwaldhaus zusammen, wenn dort eine Jive-Band spielt, aber tritt auch bei privaten Hochzeiten auf. Sie brauchen nicht viel, nur festen Boden und ein wenig Platz, berichtet Broich aus Erfahrung: „Beim Boogie fliegen die Petticoats! Es ist schon vorgekommen, dass sie eine Schublade mitgenommen oder an einem Kamin beinahe Feuer gefangen haben.“ Sofort fallen den anderen noch mehr Dönekens ein und aus dem fröhlichen Durcheinander wird klar, dass hier auch die Herzen im gleichen Takt schlagen.

Rock’n’Roll-Tanz ist Sport, der viel Ausdauer, Kraft und Athetik bedarf.

„Das unterscheidet den Boogie-Woogie vom Rock’n’Roll“, schaltet sich Jana Keiling lächelnd ein, „denn der braucht in jede Richtung, auch nach oben, Platz für die Hebefiguren.“ Die 29-Jährige tanzt Rock’n’Roll, seit sie vier Jahre alt war, hat sich lange als Trainerin im Verein engagiert und ist heute im Vorsitz. Fachkundig erläutert sie, was die beiden Tanzarten unterscheidet: „Der Boogie-Woogie ist etwas schonender, die Füße bleiben auf dem Boden; es ist ein freier Tanz unter der Führung des Herrn. Im Rock’n’Roll führt zwar auch der Herr, aber weil die Dame – zumeist – in die Höhe geworfen wird, ist eine feste Choreografie nötig, die das Paar gemeinsam festlegt.“ Das Tanzpaar muss nicht nur zur Musik im Takt bleiben, auch persönlich sollten beide im Einklang sein, weiß Franziska Krummenohl, die den Verein im Turniertanz vertritt. „Die Vorstellungen vom einzelnen Auftritt sollten genauso übereinstimmen wie die langfristigen Ziele“, betont die 30-Jährige. Beide Frauen bedauern das zurückgegangene Interesse am Turniertanz und möchten für den Verein mehr Showpaare gewinnen, die Lust auf Auftritte haben. „Auch Sporttänzer*innen, die den Ehrgeiz für Turniere mitbringen, wären schön“, wünscht sich Keiling vorsichtig, während Krummenohl betont: „Tanzen ist nicht nur für den Körper, sondern auch für das Gehirn sehr gut. Rock’n’Roll hat dazu noch Akrobatik-Anteile – es ist ein ganz besonderer Sport!“ Interessierte Anfänger brauchen dennoch nichts außer Sportbekleidung und -schuhe, unterstreichen die beiden Tänzerinnen. Derzeit zählt der Verein rund 90 Mitglieder, die Kindergruppen verzeichnen den größten Zuwachs. „Leider verlieren wir die Jungs oft in der Pubertät an den Fußball“, bedauert Keiling, „dabei werden im Paartanz wichtige Sozialkompetenzen wie Teamgeist und Verantwortungsbewusstsein gefördert.“

Die Jüngsten lernen im Paartanz wichtige Sozialkompetenzen.

Neben einer Prise Ehrgeiz wird im Rock’n’Roll Club Number One jedoch ebenso Wert auf den Spaß und das Gemeinschaftsgefühl gelegt. Von Montag bis Freitag sowie sonntags trainiert mindestens eine Gruppe. Dabei wird sowohl zum Vergnügen getanzt als auch für Turniere und Auftritte geprobt. „Boogie-Woogie ist als Showtanz zum Beispiel auf Hochzeiten sehr beliebt, der ganze Verein läuft und tanzt beim Krefelder Karnevalszug mit, während unsere Kinder in Seniorenheimen gern gesehen sind“, fasst die Rock’n’Roll-Trainerin zusammen und lädt ein: „Wer es einmal ausprobieren möchte, kann sich kurz vor einer Trainingszeit telefonisch anmelden und dann einfach vorbeikommen.“ Das Gelächter, das von den Boogie-Woogie-Tänzern herüberschallt, lässt jedenfalls vermuten, dass auch nach dem Training die Chance besteht, über einen Tanz hinaus in einer gut gelaunten, treuen Freundesgruppe aufgenommen zu werden.

Rock’n’Roll Club Number One Krefeld e.V.
Am Heckerhof 46
47800 Krefeld
rrc-number-one.de

Fotos: Lucas Coersten
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