
„Ruhe in Frieden“ – dieser uralte Wunsch der Angehörigen kann auf ganz verschiedene Weise Wirklichkeit werden. So empfinden viele Menschen parkähnliche Friedhöfe als idyllisch. Ähnliches gilt für die sogenannten Friedwälder. Eine weitere Möglichkeit der stillen Andacht bieten Gebäude, die ursprünglich für Messen und Gottesdienste errichtet worden sind. Als Grabeskirchen stehen sie für eine besondere Form der Urnenbestattung. Die Grabeskirche St. Elisabeth ist in den rund acht Jahren seit ihrer Eröffnung zu einer festen Institution in Krefeld geworden. Die Nachfrage ist hoch.
Erklären lässt sie sich durch die deutschlandweite Entwicklung: Die überwiegende Mehrheit der Verstorbenen wird in Form einer Urnenbestattung beigesetzt. Laut der von der Gütegemeinschaft Feuerbestattungsanlagen erhobenen Zahlen wuchs der Anteil von 77 Prozent im Jahr 2021 auf 81 Prozent im vergangenen Jahr. Begleitet wird dieser Trend von neuen Angeboten der Urnenbestattung, zu denen auch die Grabeskirchen zählen. Auch hier ist die Entwicklung beeindruckend: Seit der Eröffnung von St. Josef in Aachen vor 20 Jahren gibt es inzwischen 16 umgestaltete Gotteshäuser dieser Art im Bistum Aachen. Mit St. Maria Himmelfahrt in Linn wird es in absehbarer Zeit die 17. Grabeskirche geben, die zweite in Krefeld.
„Der Bedarf ist da“, sagt Volker Matter, der sich um die Verwaltung der Grabeskirche St. Elisabeth kümmert, die von der Pfarre Heiligste Dreifaltigkeit betrieben wird. Das ebenso behutsam wie modern umgestaltete ehemalige Kapuzinerkloster am Inrath ist ein Ort, an dem sich Tod und Leben auf angenehm selbstverständliche Weise berühren. Etwa 900 Bestattungen haben hier seit der Eröffnung stattgefunden. Zugleich kommen jeden Tag Angehörige in den hohen, lichtdurchfluteten Raum, um die Nähe zu ihren lieben Verstorbenen zu suchen. „Die allermeisten kennen wir seit Jahren – und umgekehrt. Oft ist Gelegenheit für einen kurzen Plausch“, beschreibt Verwalter Matter das gute Verhältnis zwischen Betreiber und Besuchern.
Die Verantwortlichen freuen sich natürlich, dass die Grabeskirche so gut angenommen wird. Allerdings ist damit auch eine Herausforderung verbunden: Bei den Einzel- und Doppelgrabstätten in den Urnenwänden – die ein oder zwei Schmuckurnen enthalten und jeweils mit einer Grabplatte verschlossen sind –, stößt St. Elisabeth langsam an die Kapazitätsgrenzen. Daher gibt es Überlegungen für eine bauliche Erweiterung. „Spruchreif ist aber noch gar nichts“, betont Volker Matter.

stattgefunden.
Eine weitere Lösung besteht in der verstärkten Nutzung der Gemeinschaftsgrabstätte: Hier werden seit 2022 nicht Schmuckurnen, sondern Aschekapseln zusammen mit den Aschekapseln anderer Verstorbener in einer gemeinsamen Grabstätte beigesetzt. Es handelt sich um einen zwei Meter tiefen Raum, der – ähnlich einem großen Schrank – mit Schubfächern ausgestattet ist. In der Andachtsstelle in der direkt daneben liegenden Kapelle werden die Namen der Verstorbenen auf einzelnen Steintafeln angebracht. „Es herrscht eine sehr schöne Atmosphäre, hier wurde baulich und gestalterisch nicht gespart“, sagt Volker Matter.
Damit tritt er auch Vorbehalten entgegen, bei der Gemeinschaftsgrabstätte handele es sich um eine „Bestattungsform zweiter Klasse“ oder gar um ein „Massengrab“. Nichts davon treffe zu. Konzipiert sei die Grabstätte vielmehr als ein würdiger Ort für Menschen, die weniger für die letzte Ruhestätte ausgeben wollen oder können. Zugleich ist diese Bestattungsform sehr platzsparend. Rund 150 Bestattungen haben in diesem Bereich bereits stattgefunden. „Und auch auf lange Sicht ist noch Platz für viele weitere Aschekapseln“, sagt der Verwalter. Wie in der gesamten Grabeskirche spielen Herkunft, Religion oder Konfession bei der Wahl der letzten Ruhestätte keine Rolle. Auch die Art und Weise, wie von einem Verstorbenen Abschied genommen werden kann, hängt vom Wunsch des Verstorbenen und seiner Hinterbliebenen ab. Eine liturgische Feier mit Geistlichen ist ebenso möglich wie eine schlichte, würdevolle Verabschiedung an der Urne.
Volker Matter hat festgestellt, dass sich durchaus viele Menschen mit der eigenen Vergänglichkeit – und damit auch der Art der Bestattung – auseinandersetzen. Das Tabu schwindet also. „Auch Menschen, die gesund und noch nicht sehr alt sind, interessieren sich für unsere Grabeskirche. Alle sind herzlich eingeladen, sich vor Ort selbst ein Bild zu machen.“ Die Kirche ist an allen Wochentagen von 10 bis 17 Uhr geöffnet, freitags und samstags bis 18.30 Uhr.
Grabeskirche St. Elisabeth
Hülser Straße 576
47803 Krefeld
Telefon: 02151 – 623 18 10
grabeskirche-krefeld.de
Fotos: Felix Burandt

