Frät ComicPopart

Klare Linien, satte Farben

Frät alias Alfred Smeets in seinem Krefelder Atelier. Seit Jahrzehnten entwickelt er dort seine unverwechselbare Bildsprache zwischen Comic und Pop-Art.

Picasso probierte als Künstler viele Disziplinen und Techniken aus, doch 1966 stellte er fest: „Das Einzige, was ich in meinem Leben bereue, ist, keine Comics gemacht zu haben.“ Das kann dem Krefelder Illustrator Alfred Smeets nicht passieren – er beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dieser einst als schmuddelig abgetanen Kunstform und hat seine eigene Bildsprache entwickelt. Mit feinem Strich und großer Leidenschaft zeichnet Frät architektonische Highlights seiner Heimatstadt, lässt Oldtimer in kräftigen Linien aufleben und schafft poppige Porträts von Menschen und Tieren. Wir trafen einen neugierigen Künstler, der sich gern auf das Wesentliche konzentriert. Und noch lange nicht an Ruhestand denkt.

Elf Uhr morgens in der Nähe des Rheinufers: Mit Kaffeetasse in der Hand und Lesebrille auf dem Kopf empfängt uns Alfred Smeets entspannt in seinem kleinen Studio. Hier in Uerdingen wohnt und arbeitet der Künstler Frät, der seinen bürgerlichen Vornamen gegen die Kurzform getauscht hat, bescheiden auf knapp 50 Quadratmetern – die Wände gepflastert mit bunten Bildern, während Hündin Sunny sich unter dem Sessel versteckt und schwarze Monitore auf dem Arbeitstisch im Energiesparmodus flackern. Wer glaubt, dass der erfahrene Grafikdesigner heutzutage noch mit Bleistift, Pinsel oder Feder arbeitet, hat sich geschnitten. „Gekritzelt“ werde nur noch im Urlaub. „Ich arbeite inzwischen ausschließlich digital“, sagt er zufrieden lächelnd und liefert sofort eine Begründung nach.

Ideen, Skizzen und Illustrationen entstehen bei Frät längst auch digital.

„Als ich 1995 begann, den Fokus auf Illustration zu legen, musste ich abwägen, ob ich mehr handwerklich zeichnen sollte oder mehr mit digitaler Technik. Als ich schließlich ein gutes Gleichgewicht zwischen beiden Welten gefunden hatte, lief es sehr gut. Und mit dem Schwinden dieses inneren Zwiespaltes konnte ich viel befreiter arbeiten.“ Bis heute lese er Fachbücher über Vektorprogramme oder durchstreife das Internet auf der Suche nach Inspiration. Eine Webseite mit sämtlichen Titelseiten des Magazins „New Yorker“ fasziniert ihn offensichtlich, auch die Liebe zu Schriftarten hat der gelernte Schildermaler nie abgelegt. Und dass Frät in über 30 Jahren doch so viele farbenfrohe, emotionale Werke geschaffen hat, in denen er seinem Stil der „klaren Linie“ treu geblieben ist, beeindruckt nicht nur den Künstler selbst. Ob nostalgische Gegenstände des Alltags wie Rollschuhe, Schreibmaschine und Kaugummiautomat, norddeutsche Leuchttürme, Oldtimer von Käfer bis Corvette, akkurate Zeichnungen Krefelder Bauwerke oder liebevolle Porträts von Menschen und Haustieren – der bunte Mix macht Laune.

Krefeld in klaren Linien und satten Farben: Auch bekannte Bauwerke der Stadt finden ihren Weg in Fräts Arbeiten.

Künstlerische Freiheit liegt dem ehemaligen Inhaber einer Werbeagentur, der irgendwann keine Lust mehr auf „Hetze und Hamsterrad“ hatte, am Herzen: Auch wenn er mit 67 Jahren das Rentenalter erreicht hat, will er neue Ideen realisieren, mit Formaten und Farben experimentieren oder Projekte wachsen lassen. Nach diversen Ausstellungen und drei Büchern („Gezeichnetes Krefeld“, „Willkommen in den Wechseljahren“ und „52 Frauen“) hat sich Frät wieder ein Vorhaben mit Bezug zur Seidenstadt vorgenommen. „Ich will Bilder von Krefelder Sehenswürdigkeiten schaffen, indem ich mich auf stilisierte Ausschnittzeichnungen fokussiere“, erklärt der Künstler und reicht einen Bogen herüber. Wir sehen die Spitze der Dionysiuskirche, einen winzigen Teil des Hülser Aussichtsturms oder die detailreiche Fassade des Kaiser-Wilhelm-Museums und ahnen, dass hier noch ein gutes Stück Arbeit auf den gebürtigen Krefelder wartet. „Geplant sind ein Küchenkalender und ein Kalender im Format DIN A3. Beide wird es im Dezember auf dem Weihnachtsmarkt zu kaufen geben“, verspricht der Illustrator. Auch eine Präsentation von Oldtimer-Motiven im Campus Fichtenhain stehe im Herbst an, aber die Ausstellung „Zwölf Ansichten von Krefeld“ habe er abgesagt. Der Grund: „Nur mit drei Motiven war ich wirklich zufrieden, dem Rest fehlte es an Spannung. Nee, dat mach ich nicht“, verfällt Frät selbstkritisch ins Krieewelsch.

Vom Entwurf zum Kalender: Frät zeichnet seine Krefelder Motive digital am Grafiktablett und setzt sie anschließend zu seinen Kalenderblättern zusammen

Mit klarer Kante äußert er sich zu tagesaktuellen politischen Themen, verurteilt soziale Ungerechtigkeit, Rassismus oder Rechtsradikalismus. Die Nutzungsrechte an seinem Regenbogenzebra überließ er dem Team des Christopher Street Day, eine Sonderedition mit Ansichten Krefelder Plätze ging als Spende an das Hospiz und vor Kurzem unterstützte er den Nachbarschaftstreffpunkt MONA mit einer Postkartenserie, weil ihm die Idee so gut gefiel. Nach dem Gespräch will er in Ruhe eine Hunderunde drehen und seine Lebensgefährtin Beate treffen, die um die Ecke wohnt und für ihn „Stütze und Korrektiv“ sei – vor allem, wenn er sich kopfüber in Projekte stürzen wolle, schmunzelt die sensible Künstlerseele. Es sieht nicht danach aus, dass sein Zeichentisch bald verwaisen würde. Selbst wenn es dafür irgendwann eine Lupe brauchen sollte.

Eine Übersicht der Werke von Frät findet sich hier: fraet.de

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