
Er hat mit Stars wie Bryan Adams und Mel C auf einer Couch gesessen, war als Voract von „Caught in the Act“ und „Bed in Breakfast“ auf Deutschlandtour und mehrfach in den Charts. Leroy Daniels hat seit Anfang der 90er-Jahren eine beachtliche Musikerkarriere hingelegt – und ist trotzdem immer noch der sympathische Krefelder Jong.
Es muss Ende der 80er-Jahre gewesen sein, als Michael Reinhold Zell (so lautet Leroy Daniels’ gebürtiger Names) bei einer Party zum Mikro griff und sang. Ohne Hintergedanken, einfach, weil der gebürtige Tönisvorster schon immer gerne gesungen hatte. Doch dieses mal war ein Produzent im Raum und sprach den heute 53-Jährigen auf seine Stimme an. Daraufhin folgte eine Einladung ins Studio nach Kaarst – und der Beginn einer Karriere, die nicht immer nur von Höhepunkten begleitet war.
Wenn Leroy Daniels heute auf die letzten 30 Jahre zurückblickt, gibt es viel, was er erzählen kann. Über Menschen, die er getroffen hat, über Bühnen, auf denen er stand, aber auch über die Schattenseiten: geplatzte Deals, ein Telefonat, das dazu führte, dass die Veröffentlichung einer Single wieder rückgängig gemacht werden musste, und Timings, die nicht immer perfekt waren. Geschichten, die für die meisten Menschen sehr weit weg vom Alltag sind, doch Daniels ist trotzdem immer auf dem Boden geblieben: „Ich habe nie meinen Job im Handwerk gekündigt und sämtliche Auftritte, Videodrehs und Aufnahmen immer um meinen Beruf herum geplant“, gesteht der Glasermeister. Ein Pensum, das es in sich hat: „Es ist verdammt harte Arbeit, aber mein Herz schlägt einfach für die Musik“, erklärt der Krefelder.
Als er in den 90er-Jahren mit seiner Musikkarriere durchstartete, gab es Formate wie „DSDS“ oder „Popstars“ noch nicht: „Das waren ganz andere Zeiten. Auch Spotify und Co. waren damals noch nicht da, wodurch es aber auch einfacher war, in die Charts zu kommen.“ Das ist Daniels gleich mehrfach gelungen: Mit der Coverversion von „Last Christmas“ war er gemeinsam mit den Rap Allstars 1998 europaweit in den Top 20 vertreten. George Michael zu covern, wurde eine Aufgabe, bei der der Sänger brillierte. Der Hörer muss wirklich genau hinhören, um den Unterschied zu erkennen.

Aber auch abseits davon machte sich der Sänger einen Namen. So ist er in mehreren Folgen der Soap „Verbotene Liebe“ mit seinem eigenen Song aufgetreten: „Es ging eigentlich immer weiter und weiter. Ich habe ständig neue Leute kennengelernt und neue Ideen entwickelt“, so Leroy Daniels. Aber, auch das gehört zur Wahrheit dazu, nicht jede Idee war von Erfolg gekrönt. So war Daniels zum Beispiel für die noch prominentere RTL-Soap GZSZ im Gespräch: „Letzten Endes hat hier einfach das Timing nicht gepasst“, erinnert sich der Musiker. Neben seiner Solokarriere ist Leroy Daniels seit einigen Jahren auch mit seiner Liveband 12inch mit Popmusik der 1980er- und 1990er-Jahre auf den Bühnen der Region unterwegs. Und nach wie vor macht er das alles immer noch neben seinem Job im Handwerk: „Den habe ich nie an den Nagel gehängt“, betont er. 2022 nahm er gemeinsam mit Thomas Averkamp alias DJ Tom und Produzent Tony Catania den bekannten Bronski-Beat-Hit „Smalltown Boy“ sehr erfolgreich neu auf. Und das sollte nicht die letzte Zusammenarbeit bleiben. Auch der Klassiker „Time to wonder“ wurde von dem Duo neu eingespielt – doch leider wurde die Veröffentlichung gestoppt: „Ich erinnere mich noch gut daran, wie uns eines Tages der Manager von Fury in the Slaughterhouse anrief, und uns bat, dass Lied wieder rauszunehmen. Wir hatten zwar alle Rechte, aber letzten Endes saßen die natürlich trotzdem am längeren Hebel“, so der Krefelder. Zum großen Bedauern von Daniels, denn der Hit kam mega an: „Manchmal steckst du halt einfach nicht drin und mit einem Anruf geht alles in die Hose.“ Trotzdem ließ sich Daniels durch solche Hürden nie aufhalten. Es ging immer weiter. Aktuell ist er mit DJ Tom wieder „an einer großen Sache dran. Es geht um die Musik zu einer sehr bekannten TV-Serie aus den 80er-Jahren“, verrät der Sänger lächelnd. Mehr darf noch nicht verraten werden, aber dass auch dieses Mal alle wieder mit vollem Herzblut dabei sind, ist sowieso klar.
Gibt es bei solch einer erfolgreichen Karriere eigentlich überhaupt noch Wünsche, die offen sind? Der 53-Jährige muss nicht lange überlegen: „Ich würde echt gerne nochmal mit meinen Füßen auf so einer richtig großen Bühne wie in den 90ern stehen. Das wär’s.“ Und bei seiner Willensstärke, seinem Talent und seiner Ausdauer ist auch das bestimmt nur eine Frage der Zeit.
Leroy Daniels
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Fotos: Felix Burandt