Schlossfestspiele Neersen

Bunt, laut und fröhlich

Intendant Jan Bodinus steht uns vor historischer Kulisse Rede und Antwort.

Laue Sommerabende, viel Musik und starke Frauencharaktere: Bis zum 18. August finden am Niederrhein die 40. Schlossfestspiele Neersen statt. Im Jubiläumsjahr hat Intendant Jan Bodinus den Spielplan unter das Motto „Frauenpower – Powerfrauen“ gestellt. So kämpft eine junge Chinesin in „Mulan“ um ihre Freiheit, das Musical „Non(n)sens“ zeigt muntere Ordensschwestern, die als Showtalente Geld sammeln wollen, und bei „Stepping Out“ versuchen sich neun Frauen und ein Mann in der Kunst des Stepptanzes. Viele Höhepunkte sind bereits ausverkauft. Wer lebendiges Theater erleben möchte, sollte sich beeilen.

Noch lugt die Frühlingssonne zaghaft durch die Wolken, als wir uns in den kleinsten Stadtteil von Willich aufmachen. Das bekannte Theaterfestival im Innenhof von Schloss Neersen zieht seit 1984 Besucher und Gaststars gleichermaßen an, was Jan Bodinus in begeisterte Worte packt: „Vierzig Sommer lang Festspiele Neersen, vierzig wunderbare Spielzeiten voller interessanter Stücke, großartiger Menschen und gemeinsamer Erlebnisse. Und es wird jedes Jahr schöner!“ Die Vorfreude auf die neue Saison steht ihm quer ins Gesicht geschrieben, selbst die Kaffeetasse mit Mulan-Motiv stammt aus dem Fanshop an der Theaterkasse. Es ist ein doppeltes Jubiläum, denn der Intendant kann zehn erfolgreiche Spielzeiten in Neersen vorweisen und hat einen Vertrag für die nächsten fünf Jahre in der Tasche. Ganz in Schwarz gekleidet – mit farbigen Turnschuhen und Socken als Gegenpol –, verrät uns der Wahl-Berliner das Programm für diesen Sommer.

„Angesichts der seit Jahrhunderten von Männern dominierten Theaterwelt möchte ich bewusst einen Kontrapunkt setzen“, sagt Jan Bodinus mit festem Blick. Das Motto „Frauenpower – Powerfrauen“ verspricht daher eine Mehrheit von starken Frauenfiguren, die auf der neu gestalteten Schlossbühne inklusive Showtreppe mit viel Energie, Musik und Tanz dafür sorgen, dass es 2024 „sehr bunt, sehr laut und sehr fröhlich wird“, so der Intendant. Auch für „schöne“ Männerrollen habe er Raum gelassen, und das Kinderstück „Mulan“ richte sich wie gewohnt an die ganze Familie.

Nach der alten chinesischen Ballade hatte sich ein junges Mädchen die Haare kurz geschnitten und als Soldat verkleidet, um anstelle seines Vaters in der kaiserlichen Armee zu dienen – zwölf Jahre lang. Bekannt wurde die Legende vor allem durch Disney-Verfilmungen, weiß Bodinus. „In unserem Stück wird es einen kämpfenden Panda, zwei witzige Soldaten im Stil von Stan und Ollie und sogar chinesischen Stockkampf geben. Und es wird auch im Kinderstück live gesungen! Der Gesang wird mit Mikroports verstärkt, um den Bedürfnissen der Zuschauer gerecht zu werden. Jungs und Mädchen lieben Mulans Geschichte und wie sie sich von Konventionen befreit“, freut sich der Regisseur. Ganz pragmatisch werde das knallrote Bühnenbild von „Mulan“ auch für das erste Erwachsenenstück genutzt.

Im Musical „Non(n)sense“ müssen fünf lebenslustige Ordensschwestern Geld für die Beerdigung von vier Nonnen auftreiben, die tragischerweise einer Fischvergiftung zum Opfer fielen. So planen die Schwestern eine einmalige Benefizvorstellung, bei der sie ihre individuellen Showtalente präsentieren. Das Ergebnis: eine farbenfrohe Revue voller Komik, mit mitreißenden Musiknummern, Sentiment, Herz und Elan. „Unter der Regie von Sascha Littig wurde die Handlung von Amerika nach Neersen verlegt – in eine katholisch geprägte Gegend“, schmunzelt Bodinus. „Die Nonnen singen und tanzen vor der umgedrehten Mulan-Kulisse, um buchstäblich Geld zu sparen. Erst gestern haben die Mädels ihre Tanzschuhe in einem regionalen Schuhgeschäft erstanden. Das wird ein aufregendes Ereignis sein, wenn alle über die Bühne wirbeln!“ Seine Augen leuchten beim Gedanken an so viel Tanz und Musik zum Jubiläum.

Im Stück „Non(n)sens“ geht es um tanzende Ordensschwestern.

Gute Tanzkenntnisse sind auch in der musikalischen Komödie „Stepping out“ gefragt, die der Berliner Matthias Freihof für die Freilichtbühne inszeniert. Die Story kennt man aus der Verfilmung mit Liza Minelli: Die erfolglose Profitänzerin Marie verdient ihr Geld mit Stepptanzkursen für Amateure. Jede Woche bemüht sie sich, ihre Schützlinge voranzubringen. Als die Gruppe bei einem Wohltätigkeitsfest auftreten soll, steht Marie vor einer großen Aufgabe: Wie soll sie aus diesem bunten Haufen Frauen mit Quotenmann Andy eine verschworene Truppe formen? Jan Bodinus zeigt sich angetan von der „tollen Besetzung nach einem riesigen Casting“ und versichert: „Diese menschliche Geschichte blickt auf unterhaltsame, aber nicht oberflächliche Art auf das Leben und seine Probleme.“

Der Höhepunkt der 40. Festspiele ist wie diverse Gastspiele ausverkauft, weder für die Lesung mit Legende Katharina Thalbach noch für Alex Parkers Hommage an Udo Jürgens sind Tickets verfügbar. Theatermensch Bodinus gibt uns einen Hinweis mit auf den Heimweg: „Theater ist real und greifbar, eine lebendige Begegnung inmitten einer Welt von falschen Realitäten und Ki-generierten Bildern und Informationen.“ Entscheiden wir uns für das echte Leben, das Wetter spielt doch nur eine Nebenrolle!

Schlossfestspiele Neersen
Kulturteam
Hauptstraße 6
47877 Willich
Telefon: 02156 / 949 132
Theaterkasse: Montag bis Freitag von 09:00 bis 12:30 Uhr
festspiele-neersen.de

Fotos: Felix Burandt
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