
Manche Menschen haben so viele Interessen und Talente, dass es für einen Beruf nicht reicht. Als Scanner-Persönlichkeiten suchen sie ständig neue Herausforderungen und können mit Routine nur wenig anfangen. Auch Jens Kipper scheint so ein Tausendsassa zu sein: Der gebürtige Hülser ist Schauspieler, Sänger und Regisseur, bekannt aus Film und Fernsehen – und ein Supertyp. Denn wer die Musik der 80er und den Jazzkeller mag, mit VHS-Kassetten von Bud Spencer aufgewachsen ist und als Ensemblemitglied von STUNK für intelligente Unterhaltung sorgt, hat einige Sympathiepunkte verdient. Im November kann man das Multitalent als Dirty Dee mit Meg Fly, Sissy Top und Cool Phillins live erleben.
Wir genießen die herbstlichen Sonnenstrahlen draußen vor dem Café Liesgen (der als Treffpunkt gewünschte Jazzkeller ist noch geschlossen) und tauchen humorvoll in die Biografie von Jens Kipper ein: „Geboren in den 70ern! Zur Schule gegangen in den 80ern! Studiert in den 90ern! Im Beruf seit den Nullerjahren! Hot und sexy schon seit immer! Verheiratet, zwei Kinder, kein Haustier, aber nen Dispo.“ Mit dem Schauspielerberuf wird man nicht unbedingt reich, auch wenn die Filmografie des 50-jährigen Krefelders beeindruckend lang ist. Von „Tatort“ bis „Wilsberg“, „In aller Freundschaft“ und „SOKO“ oder „Club der roten Bänder“ findet sich hier vieles, was die Fernsehlandschaft erfolgreich gemacht hat. Dazu kommen Bühnenengagements, viele davon an seinem künstlerischen Elternhaus TAS (Theater am Schlachthof), und Arbeiten als Regisseur, sowohl für Theaterstücke als auch Kurzfilme wie das preisgekrönte Werk „Asynchron“ mit seinem Kollegen Robin Schüllenbach. Der Filmfreund könnte selbstbewusst bis arrogant auftreten, stattdessen sitzt er entspannt vor seinem Latte Macchiato und erzählt ganz bodenständig von Umwegen auf dem Weg ins Berufsleben.

„Ich habe mein Abitur am Fabritianum gemacht, Leistungskurse Pädagogik und Biologie, und wusste dann nicht so richtig, wohin die Reise gehen sollte.“ Also absolviert er den Zivildienst, jobbt als Pfleger, erwägt ein Studium der Psychologie und erhält die Möglichkeit, eine Friseurlehre zu beginnen, um danach Maskenbildner am Theater zu werden. Was dann aber auch nicht das Richtige ist. Bauchgefühl und Leidenschaft ziehen ihn zur Schauspielerei, hat er doch bereits als Teenagerden Videorekorder mit Hollywood-Filmen und „Star Wars“ gefüttert. „Ich möchte den Job richtig können“, erklärt er den zunächst wenig begeisterten Eltern und wechselt nach zwei „nicht so dollen“ Jahren an einer Siegburger Schauspielschule zum renommierten Schauspiel Zentrum Köln. „Es war großartig in Köln; es gab 30 Dozenten und dadurch einen großen Malkasten an Richtungen und Techniken“, schwärmt Jens Kipper von einer intensiven Zeit, in der er auch seine Ehefrau Ilva Melchior kennengelernt hat und das Leben in der Großstadt am Rhein auskostete. Heute lebt die Familie etwas ruhiger in Fischeln und freut sich über nette Nachbarn und die günstigere Miete.

Der erfahrene Schauspieler und Regisseur doziert inzwischen selbst an der Schauspielschule und nimmt die Verantwortung ernst, Werte zu vermitteln und seine Schüler durch Prüfungen und zum Abschluss zu bringen. Als Humanist und Menschenfreund, der am liebsten ein Schulfach „Empathie“ einführen würde, wird er „fuchsig, wenn talentierte Menschen faul sind oder dumme Ausreden vorbringen, statt sich Problemen zu stellen“ – diese Haltung passt auch zu seinem Instagram-Profil, auf dem er sich hin und wieder politisch äußert. So überrascht es nicht, dass Jens Kipper dem Ensemble der STUNK-Kabarettshow angehört, die als Alternative zum Sitzungskarneval gilt und aktuelle politisch-gesellschaftliche Themen so messerscharf wie charmant durch den Kakao zieht. Nachdem er im Sommer drei TV-Produktionen abgedreht hat, darunter „SOKO Köln“ und eine Serie über die Ahrtal-Flut, blickt er mit Vorfreude auf die Proben und erste Aufführungen im Januar.

Und dann ist da noch die Liebe zur Musik: „Als Kind wollte ich E-Gitarre lernen, doch auch hier war ein Umweg über die Blockflöte angesagt“, schmunzelt der Familienvater und beschreibt sich offen als „lausigen Gitarristen“, dessen Talent „nur“ für eine Punkband gereicht habe. „Die Bandmitglieder waren alle super, nur ich war schlecht“, macht der Teamplayer deutlich. Konsequent fokussiert er sich schließlich auf Gesang und entwickelt mit Theaterkollegen die Musik-Show „Zurück in die 80er“ als Tribut an ein sympathisches Jahrzehnt mit Schulterpolstern, Haarspray und Helden der Popgeschichte. „Das ging sehr gut los. Wir spielten schon beim Kölner CSD, geben ein Stammkonzert in Oberhausen und sind Ende November in der Eventlocation Wetthalle in Neuss zu Gast!“ Trotz der Vielfalt in seinem Berufsleben hat Jens Kipper noch einen ganz großen Traum: „Eine dauerhafte Rolle in einer Serie, so Richtung ‚Babylon Berlin‘ – das wäre schon etwas.“ In seinem Lieblingsfilm „Léolo“ ist das Motto der Hauptfigur Leo: „Ich träume, also bin ich nicht verrückt.“ Wir drücken jedenfalls die Daumen.
Zurück in die Achtziger
Samstag, 28. November, 19:30 Uhr
TAS Neuss
Nächste TV-Sendung
Donnerstag, 05. November
SOKO Stuttgart
Fotos: Felix Burandt

