Klinik Königshof

Unser Gehirn ist formbar – ein Leben lang

Früher ging man davon aus, dass das menschliche Gehirn mit etwa 25 Jahren ausgereift ist. Danach, so die damalige Vorstellung, findet nur noch Abbau statt. „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“, ist ein bekannter Spruch, der diese Ansicht verdeutlicht.

Heute geht die Wissenschaft davon aus, dass das Gehirn sich ein Leben lang verändert und neue Verbindungen schafft. Das nennt man Neuroplastizität. Allerdings funktioniert Lernen mit zunehmendem Alter anders als in der Jugend. Je nach Alter reagiert das Gehirn unterschiedlich auf neue Reize. Erwachsene müssen ihre Aufmerksamkeit viel bewusster auf etwas richten als Kinder und Jugendliche, um einen Lernerfolg zu erzielen. Das Gehirn junger Menschen ist noch viel leichter formbar. Deswegen lernen Kinder, die zwei- oder mehrsprachig aufwachsen, beinahe nebenbei.

Wer bereits als Kind viel lernt und unterschiedliche Eindrücke verarbeitet, zahlt damit auf sein „Gehirnkonto“ ein, schafft sich eine sogenannte kognitive Reserve („cognitive reserve“) – einen neurologischen Puffer, der unter anderem dabei hilft, alternative Strukturen bei neurologischen Schäden zu schaff en. Geistige und körperliche Aktivität sind ein gutes Mittel, das Demenzrisiko zu vermindern. Viele Studien gehen davon aus, dass Bewegung und Sport, das Lernen von Neuem, soziale Kontakte, kreative Tätigkeiten sowie Meditation und Achtsamkeitsübungen dabei helfen, das Gehirn funktionsfähig zuhalten. Ebenfalls hilfreich sind ausreichender und ungestörter Schlaf und eine ausgewogene Ernährung.

Neben geistiger und körperlicher Untätigkeit wirken sich auch psychische Krankheiten negativ auf das Gehirn aus. Bei Menschen mit Depressionen zeigen sich in bestimmten Hirnarealen andere Aktivitätsmuster als bei gesunden Menschen. Daher wird Depression zum Teil auch durch physische Stimulation des Gehirns behandelt. So werden bei der RTMS-Therapie gezielt Hirnregionen mit Magnetimpulsen stimuliert. Das Verfahren kommt auch bei Zwangsstörungen und Tinnitus zum Einsatz. Umgekehrt können auch psychische Veränderungen mit messbaren Veränderungen im Gehirn einhergehen. Das zeigen FMRT-Untersuchungen vor und nach einer Psychotherapie.

Die moderne Wissenschaft zeigt eindrucksvoll, dass Körper und Geist nicht voneinander zu trennen sind. Ihre enge Verbindung bildet sich im Gehirn ab – ein Leben lang.

Bleiben Sie also in Bewegung – in jeder Hinsicht!
Ihr Hilal El Abed

Klinik Königshof
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Foto: Niklas Breuker
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