
Über viele Jahrzehnte stand die Krefelder Seidenindustrie mit Vertretern des Bauhauses in enger Verbindung. Eines der Objekte, die an diese Zeit erinnern, ist das Haus Heusgen in Krefeld-Hüls. Errichtet in den frühen 1930er-Jahren, war das Gebäude seiner Zeit deutlich voraus. Es gilt als bedeutendes Werk der klassischen Moderne und wird in Fachkreisen bis heute im Zusammenhang mit Mies van der Rohe diskutiert. Seit Kurzem befindet sich dort das Büro von Stapelmann Architektur. Ein Standort, der kaum passender sein könnte.
Im Frühjahr 2026 zog Architekt Jan Stapelmann mit seinem vierköpfigen Team in das denkmalgeschützte Gebäude. Das Bauwerk kannte er bereits seit Langem. Zuletzt war es als Kunstgalerie genutzt worden, anschließend stand es einige Jahre leer. Eine Skulptur im Vorgarten erinnert noch an vergangene Zeiten. „Das Haus ist die beste Visitenkarte für die Philosophie von Stapelmann Architektur“, sagt Jan Stapelmann. Wenn er über das Haus am Fuße des Hülser Bergs spricht, spürt man Respekt und Wertschätzung. Für den Architekten ist der Einzug in das charakteristische weiße Gebäude inmitten von Grün ein bewusstes Bekenntnis – zur Architektur der klassischen Moderne und zur Stadt Krefeld.

Beim Betreten der Büroräume fallen die offenen Raumstrukturen, die fließenden Übergänge und die großzügigen Glasflächen auf. Manchmal braucht es einen zweiten Blick, um zu erkennen, wo das Gebäude endet und der Garten beginnt. Die Grenzen zwischen Innen- und Außenraum scheinen zu verschwimmen. Die Qualität der Materialien, die das Haus seit fast einem Jahrhundert prägen, spiegelt zugleich Jan Stapelmanns Haltung wider: „Meine Entwürfe sollen durch zeitlose Eleganz langlebig sein.“ Mit seinem Büro bewegt er sich bewusst in einer klar definierten Nische: Jedes Projekt versteht er als individuell zugeschnittenen Maßanzug. Keine Standardlösungen, keine Entwürfe von der Stange. Er nimmt sich Zeit, um gemeinsam mit seinen Kundinnen und Kunden Räume entstehen zu lassen, die optimal auf sie zugeschnitten sind: „Der Mensch steht immer im Mittelpunkt.“ Diesen Satz stellt Jan Stapelmann an den Anfang eines jeden Projekts. Seine Entwürfe sollen Raum bieten – für Miteinander und Kommunikation ebenso wie für Rückzug und Geborgenheit. Dabei folgt der Architekt einem Prinzip, das sich durch seine gesamte Arbeit zieht: Reduktion, um Ablenkungen zu vermeiden. „Reduktion ist Fokus“, erklärt der Architekt und fügt hinzu: „Es ist nicht der Verzicht, sondern vielmehr die Konzentration auf das Wesentliche.“ Das Ziel sind dauerhafte Lösungen durch hochwertige Materialien und klare Linien. Ganz bewusst lässt er Elemente weg, um die Essenz sichtbar zu machen. „Architektur und Innenarchitektur werden dabei nie getrennt gedacht“, unterstreicht er. „Ebenso wenig wie Gebäude und Außenfläche.“ Erst im Zusammenspiel entsteht für ihn ein Ort mit unverwechselbarem Charakter.

Dass er den Weg in die Selbstständigkeit ausgerechnet in Krefeld gegangen ist, kommt nicht von ungefähr. Der gebürtige Krefelder hat in Düsseldorf studiert, gründete vor über zwei Jahren Stapelmann Architektur und könnte heute an vielen Orten arbeiten. Dennoch bleibt er bewusst in seiner Heimatstadt: „Ich sehe sehr viel Potenzial in Krefeld und der Region.“ Diese Einstellung zeigt sich auch in seinem Portfolio. Neben der Architektur gilt sein Interesse der Geschichte. In den vergangenen Jahren war er an Projekten zur Krefelder Stadtgeschichte beteiligt, unter anderem am Umbau des Foyers im Archäologischen Museum Krefeld zu einem UNESCO-Welterbe-Besucherzentrum. Zudem entwarf er eine mobile Ausstellung zum 650-jährigen Stadtjubiläum. Das Wandermuseum mit dem Titel „650 Jahre Krefeld. Geschichte und Geschichten einer Stadt“ war im Jubiläumsjahr an verschiedenen Orten in Krefeld zu sehen.
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – in den Projekten von Stapelmann Architektur sind sie fest miteinander verwoben. Symbolisch dafür steht auch das Haus Heusgen. Fast ein Jahrhundert nach seiner Entstehung dient das Gebäude heute als Arbeitsort für ein Architekturbüro, das ästhetische Lösungen mit Bestand entwickelt – inspiriert von der modernen Architekturgeschichte, verankert in der Gegenwart und mit klarem Blick in die Zukunft. Eine Haltung, die Jan Stapelmann in drei Worten beschreibt: „Minimalistisch. Zeitlos. Elegant.“
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Fotos: Felix Burandt

