Krisen, Kriege, Katastrophen: Fernsehen, Zeitungen und Social Media erzählen uns täglich, wie viel Schreckliches auf der Welt gerade wieder passiert. Erschien die Welt früher bis auf einzelne Probleme weitgehend stabil, bekommen wir heute das Gefühl, alles befinde sich in Auflösung. Und davon sind wir alle unmittelbar betroffen. Das erzeugt Ängste und im schlimmsten Fall depressive Verstimmungen, wie ich auch bei Patientinnen und Patienten in unserer Klinik immer wieder feststellen muss.
Dabei können manche Weltprobleme, wie die Klima- und Umweltkrise, sehr wohl Auswirkungen auf unser persönliches Leben haben. In vielen anderen Fällen ist dies aber nur sehr begrenzt der Fall. Daher gebe ich Menschen mit Krisenängsten in unserer Klinik oft den Tipp, sich zu fragen, was davon sie wirklich direkt betrifft. Ereignisse in Asien, Amerika oder dem Nahen Osten haben natürlich auch Auswirkungen auf uns – aber meistens nur sehr indirekt und nicht hier und jetzt. Ein Wasserrohrbruch bei uns im Haus hätte hingegen direkte Auswirkungen auf uns selbst.
Um sich nicht von Horrormeldungen überfluten zu lassen, konsumieren Sie Nachrichten am besten nur sehr dosiert. Nach Möglichkeit nicht mehr als einmal am Tag – und zwischendurch nicht auf Social Media oder News-Portalen vorbeischauen. Denn für Medien sind schlechte Nachrichten gut. Sie schaff en Aufmerksamkeit und Klickzahlen. Medien sind Wirtschaftsunternehmen, die am liebsten Themen mit maximalem Aufregungsfaktor verbreiten. Und das, obwohl Wissenschaftler belegen, dass unsere Welt in vielem sogar immer besser wird, wie es zum Beispiel der schwedische Arzt Hans Rosling in seinem Buch „Factfulness“ beschreibt. Gefühle lassen sich durch Statistik eben nur begrenzt beeinflussen.
Aber selbst, wenn Sie von der Krisenhaftigkeit der Welt überzeugt sind, ist es kein moralisches Versagen, den Fokus auf das eigene Leben zu setzen. Denn anders als bei den Weltproblemen können wir hier selbst etwas beeinfl ussen. Wenn Sie sich trotz weltweiter Probleme persönlich gut fühlen, müssen Sie sich dafür nicht schämen. Wenn Sie selbst ernsthafte Probleme haben, treten die Katastrophen draußen in der Welt ohnehin in den Hintergrund. Selbstfürsorge ist kein Egoismus, sondern Voraussetzung des eigenen Überlebens. Nicht umsonst soll man sich beim Notfall im Flieger zuerst selbst die Sauerstoff maskeaufsetzen.
Ihr Dr. Jan Dreher
Klinik Königshof
Am Dreifaltigkeitskloster 16
47807 Krefeld
Telefon: 02151 – 8233 00, für Notfälle: 02151 – 8233-6032
klinik-koenigshof-krefeld.de
Foto: Niklas Breuker

