Klinik Königshof

Nur beste Ergebnisse zählen

Perfektionismus ist wahrscheinlich eine sehr zeitgemäße Verhaltensweise. „Strebe nach Exzellenz!“, „Go the extra mile!“, „Du sollst deine Kunden nicht zufriedenstellen, sondern begeistern“, heißt es in modernen Erfolgsratgebern. Und klar, sehr gute Leistungen führen in der Regel auch zu sehr guten Ergebnissen. Wenn es gut läuft, erzielt man damit Erfolg, Geld und Ansehen. Wer es mit dem Leistungsstreben allerdings übertreibt, den erwarten Leid und Erschöpfung bis hin zum Burnout. Wenn nur noch Bestleistungen zählen, nur noch Einsen akzeptiert werden und Zweien schon als Versagen gelten, ist das auf Dauer ein großes Problem. Wer nach Perfektion und Fehlerlosigkeit strebt, läuft Gefahr, nie mit sich zufrieden sein zu können — und damit niemals zur Ruhe zu kommen. Jede Pause wird als Versagen empfunden, denn man hätte die Zeit ja nutzen können, noch ein bisschen mehr aus sich herauszuholen.

In der Psychologie gilt Perfektionismus als Zeichen für einen sehr starken inneren Kritiker, der meist auf prägende Erlebnisse aus der Kindheit zurückzuführen ist. So wurde man vielleicht ständig auf herabsetzende Weise mit den Geschwistern verglichen: „Dein Bruder hat immer bessere Noten. Deine Schwester kann viel besser Klavier spielen.“ Die Eltern wiederum haben manchmal ihre eigenen Versagensängste auf die Kinder projiziert: Diese müssen dann alles erreichen, was sie selbst nicht geschafft haben. Scheitern die Kinder, haben die Eltern selbst versagt. Kinder, die so etwas erleben, lernen, dass Liebe und Anerkennung der eigenen Person immer nur vom Ergebnis abhängen. Ohne Leistung ist man nichts wert. Die sehr hohen Erwartungen der Eltern werden übernommen und wirken oft weiter, auch als erwachsene Person.

Der Ausweg aus diesem Teufelskreis beginnt damit, Selbstmitgefühl zu entwickeln und anzuerkennen, dass man Fehler und Schwächen hat. Wer es schafft, sich anderen zu öffnen, wird feststellen, dass er oder sie damit nicht allein ist, und man lernt so langsam, die eigene Unvollkommenheit zu akzeptieren. Ziel ist es, Job, Familie und Hobbys immer mehr nach den eigenen Möglichkeiten und im eigenen Tempo zu leben – ohne Anpassung an die vermeintlichen Ansprüche der Umwelt. Je nachdem, wie lange man den Perfektionismus bereits praktiziert, ist das allerdings ein langer Prozess, der manchmal professioneller Begleitung bedarf. Wer das feststellt, sollte nicht zögern, sich entsprechende Hilfe zu holen.

Ihre Kim Schlangenotto

Klinik Königshof
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Foto: Luis Nelsen
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