Sich abzulenken und unangenehmen Gefühlen und Gedanken aus dem Weg zu gehen, ist heute leichter als jemals zuvor. Das Handy steckt in fast jeder Hosentasche. Die große, bunte Welt wartet nur ein paar Klicks entfernt. Auf Instagram, TikTok und Co. sehen wir Models und Weltreisende sowie scheinbar perfekte Lebensstile mit beeindruckenden Häusern oder Autos. Da wundert es nicht, wenn Studien zeigen, dass ein relevanter Anteil der Menschen unter 45 Jahren ein problematisches Nutzungsverhalten im Umgang mit sozialen Medien aufweist. Ein kleinerer Prozentsatz erfüllt sogar Kriterien einer klinisch relevanten, suchtähnlichen Nutzung.
Diese Entwicklung zeigt sich inzwischen auch bei unseren Patientinnen und Patienten: Gerade Jüngere berichten, dass Social Media ein unverzichtbarer Teil ihres Alltags ist. Viele sind täglich mehrere Stunden online – häufig auch unmittelbar vor dem Schlafengehen.
Eine exzessive Social-Media Nutzung kann für manche Menschen problematische oder suchtähnliche Züge annehmen. Sie weist dabei Parallelen zu Verhaltenssüchten auf, ist jedoch nicht vollständig mit substanzgebundenen Abhängigkeiten wie Drogen- oder Alkoholmissbrauch gleichzusetzen. Für die psychische Gesundheit kann eine intensive Nutzung mit erhöhtem Risiko für depressive Symptome, Angst, Schlafprobleme oder ein vermindertes Selbstwertgefühl einhergehen, insbesondere wenn soziale Vergleiche im Vordergrund stehen. Manche Betroffene berichten zudem über Kontrollverlust im Alltag, das Vernachlässigen von Aufgaben oder sozialen Kontakten.
Da Social-Media-Algorithmen Inhalte bevorzugt anhand individueller Nutzungsgewohnheiten auswählen, werden häufig ähnliche Inhalte wiederholt angezeigt, was bestehende Interessen oder emotionale Zustände zusätzlich verstärken kann.
Und wie kommen wir aus diesem „Teufelskreis“ wieder heraus? Zunächst durch Bewusstmachung. Daher bitten wir unsere Patientinnen und Patienten, ihre Social-Media-Nutzung zu dokumentieren, um ein realistisches Bild der eigenen Bildschirmzeit zu erhalten. Ein nächster Schritt kann eine schrittweise und bewusste Reduzierung der Nutzungsdauer sein – beispielsweise auf 50, 30 oder 20 Prozent des bisherigen Konsums. Studien zeigen, dass bereits moderate Reduktionen der Bildschirmzeit mit Verbesserungen von Stressniveau, Stimmung und Schlafqualität verbunden sein können. Viele erleben außerdem, dass die „Fear of Missing Out“ (FOMO) weniger stark ausgeprägt ist, als zuvor angenommen.
Wer einen bewussteren Umgang entwickelt, kann anschließend auch die positiven Seiten sozialer Medien – etwa sozialen Austausch oder den Kontakt zu weit entfernt lebenden Menschen – wieder stärker nutzen. Wie so oft gilt: Entscheidend ist das Maß.
Ihr Hilal El Abed
Klinik Königshof
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