Wer in Deutschland einen Therapieplatz benötigt, muss sich oft lange gedulden. Mehrere Monate zu warten, ist leider keine Ausnahme. Da liegt es nahe, sich an 24/7 verfügbare, und dazu noch kostenlose, „Therapeuten“ zu wenden: Chat GPT, Perplexity und Co. Wer jetzt meint, das sei doch etwas weit hergeholt, liegt ziemlich daneben. Die Nutzung von KI-Bots zur Klärung psychischer Probleme ist inzwischen breite Realität. Viele unserer Patientinnen und Patienten berichten, bereits mit der KI über ihre Probleme „gesprochen“ zu haben. Nicht umsonst zählen psychologische und zwischenmenschliche Themen zu den am häufigsten an die KI gestellten Fragen.
Werden ChatGPT und Co. also bald Therapiesitzungen mit echten Menschen ersetzen? Sind Chatbots gar die besseren Therapeuten? Das glaube ich ehrlich gesagt nicht. KI kann meiner Meinung nach aber eine ergänzende Funktion im Rahmen einer Therapie – zum Beispiel zur Überbrückung von Wartezeiten oder als Zwischenstufe im Therapieprozess – haben. Denn hier kommen die Stärken der KI, immerwährende Verfügbarkeit und umfassende Kenntnisse in so gut wie allen menschlichen Wissensgebieten, zum Tragen.
Auf der anderen Seite kann künstlichen Intelligenz eben keine menschliche Empathie entwickeln – auch wenn sie manchmal so wirkt. Das ist gerade in schweren Fällen – zum Beispiel bei Suizidgefahr – ein großes Problem. Außerdem ist Chat GPT als „People Pleaser“ programmiert. KI neigt dazu, den Fragenden Recht zu geben, und sie zu loben, auch da, wo ein menschlicher Therapeut bewusst Kritik und Widerspruch einsetzen würde, um Nachdenkprozesse in Gang zu setzen. Psychischen Problemen auf den Grund zu gehen, und potenziell schädliches Verhalten nachhaltig zu hinterfragen, ist so nicht möglich.
Dazu kommt, dass KI meist sehr umfassend antwortet, und so gerade Menschen mit psychischen Problemen schnell überfordert. Während eine Therapeutin oder ein Therapeut vielleicht mit einer Gegenfrage antworten, oder eine Denkpause anregen würden, reagieren Chatbots fast sofort mit Ratschlägen und Verhaltenstipps, was zusätzlichen Druck erzeugen kann. Und nicht zuletzt ist auch das Datenschutzproblem ungelöst. Für die KI gilt nun mal keine Schweigepflicht.
Sollten Sie also Chat GPT und Co. zu psychischen Problemen befragen, nehmen Sie die Antworten bitte als durchaus sinnvolle Anregungen, aber nicht als Therapieersatz. Das kann künstliche Intelligenz (noch) nicht leisten.
Ihr Jan Dreher
Klinik Königshof
Am Dreifaltigkeitskloster 16
47807 Krefeld
Telefon: 02151 – 8233 00, Für Notfälle: 02151 – 8233-6032
klinik-koenigshof-krefeld.de
Foto: Niklas Breuker

