Dass Eltern Kindern sehr viel mit auf ihren Lebensweg geben, ist für viele wohl kaum eine Überraschung. Dass der Erziehungsstil aber auch sehr große und vor allem langfristige Auswirkungen auf die Entwicklung hat – und damit auch auf die Verhaltensmuster des Kindes — ist nicht allen bewusst.
In der Praxis sprechen wir von vier verschiedenen Erziehungsstilen, entwickelt von der US-amerikanischen Entwicklungspsychologin Diana Baumrind. Zum einen gibt es den autoritären Erziehungsstil. Hier haben die Eltern überstrenge Regeln, an die sich die Kinder zu halten haben. Wenn das Kind seine Aufgaben nicht erledigt, wird es gemaßregelt und ein Entzug von Spielsachen droht. Das Kind lernt so, dass es gehorsam sein muss, was dazu führt, dass die eigenen Bedürfnisse völlig unterdrückt werden. Auch im späteren Leben besteht kaum die Möglichkeit, nach eigenen Bedürfnissen zu handeln, da diese zugunsten der Bedürfnisbefriedigung anderer nur bedingt bewusst sind.
Im Gegensatz dazu wird das Kind beim verwöhnenden Erziehungsstil (auch laissez-faire genannt) in den Mittelpunkt gestellt. Es gibt keine Grenzen und auch keine Emotionsregulation. Die Eltern erlauben dem Kind alles. Im weiteren Leben verhält sich der Erwachsene oftmals rücksichtlos und kennt seine Grenzen nicht, was teilweise auch zu Suchterkrankungen führen kann.
Beim autoritativen Erziehungsstil steht eine sichere Bindung im Fokus. Das Kind bekommt Regeln, aber diese werden erklärt und nicht einfach über den Kopf des Kindes hinweg entschieden. So darf das Kind zum Beispiel frei spielen, muss aber auch beim Aufräumen helfen. Es lernt mit Entbehrungen zu leben und versteht, warum diese notwendig sind. Die Eltern übernehmen eine Vorbildfunktion, denn sie unterstützen ihr Kind bei Herausforderungen und stärken seine Selbstwirksamkeit.
Etwas anders ist es beim vernachlässigenden Erziehungsstil. Hier haben die Eltern nie Zeit für das Kind und es erfährt weder Liebe noch Aufmerksamkeit. Es entsteht ein Mangel an (Selbst-)Vertrauen und Sicherheit. Im weiteren Leben kann es sein, dass diese Kinder aufgrund ihres Wertlosigkeits-Erlebens beginnen, nichts mehr fühlen zu wollen, was zu psychischen Erkrankungen führen kann.
Neu hinzugekommen sind in den vergangenen Jahren Eltern, die alle Unwägbarkeiten für ihre Kinder aus dem Weg räumen oder sie ständig überwachen. Diese Eltern werden auch als „Helikopter-Eltern“ oder „Rasenmäher-Eltern“ bezeichnet. Da diese Kinder nicht lernen, Herausforderungen selbst zu bewältigen, fehlt es ihnen oftmals an Ausdauer und Disziplin.
Wichtig ist es, sich der verschiedenen Erziehungsstile bewusst zu sein, um den Kindern den bestmöglichen Start in ein selbstständiges Leben zu geben, in dem es sich geliebt fühlt. Eine Ausgewogenheit von Forderung und Entgegenkommen sei laut Baumrind ratsam.
Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit,
Ihre Kim Schlangenotto
Klinik Königshof
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