
Musik kann Emotionen wecken, Brücken zwischen Menschen bauen und tiefgreifende Veränderungen bewirken. Und wenn wir singen, bleibt für Angst wenig Raum. Seit 25 Jahren beweisen die silk-O-phonics, dass gemeinsames Singen in einem Chor richtig gute Laune machen kann. Gerade erst ausgezeichnet mit dem Titel „Meisterchor“ bereiten sich die 20 Charakterköpfe des Jazz-Pop-Ensembles akribisch auf ihr Jubiläumskonzert im Uerdinger Klärwerk vor. Was für ein vokales Powerpaket die musikalische Leiterin Antje Wald und ihre Vorgängerin Christiane Böckeler geschaffen haben, zeigte ein Probenbesuch in der Kirche – auch in kleiner Besetzung gab es große Songs auf die Ohren.
Ein lauer Sommerabend vor der Erlöserkirche in der Edelstahlsiedlung: Antje, Kerstin, Klaus, Nicole und weitere Mitstreiter versammeln sich zur wöchentlichen Chorprobe um 19:45 Uhr und warten draußen auf den „Schlüsselmeister“. Schon vor der Tür ist die Stimmung sehr entspannt, es wird gelacht und gescherzt, und man merkt, dass sich alle seit Jahren kennen und mögen. Mit einer Minute Verspätung trudelt Helmut endlich ein, begrüßt von einer begeisterten La-Ola-Welle. Im Kirchenraum packt gleich jeder mit an, der Flügel muss freigeräumt werden, Stühle werden zurechtgerückt, das Team der silk-O-phonics ist offensichtlich eingespielt. „Wir finden uns ganz nett“, flüstert Kerstin Guhra uns augenzwinkernd zu, dann ruft Antje Wald, Chorleiterin seit 2019, auch schon zu ersten Dehnübungen auf, bevor sie sich an die Tasten begibt und das Aufwärmen mit einem sogenannten Lippenflattern beginnen lässt.

Im Jahr 2001 wurde das Jazz-Pop-Ensemble unter der Leitung von Christiane Böckeler gegründet und hat sich als A-cappella-Chor seitdem stetig weiterentwickelt. Die sil-O-phonics musizieren ausschließlich mit ihren geschulten Stimmen, ganz ohne instrumentale Begleitung, dafür mit Herz, Humor und einem abwechslungsreichen Programm. Die noch geheime Setlist für das kommende Jubiläumskonzert „Celebration“, das am 11. Oktober im Klärwerk Uerdingen stattfindet, enthält viele neuere Songs aus den Charts. Das Programm bietet aber auch Klassiker aus den Siebzigern, die das Publikum garantiert von den Sitzen reißen werden. Denn die hohe Gesangsqualität der Gruppe ist längst offiziell belegt: So dürfen sich die silk-O-phonics seit 2025 als „Meisterchor“ bezeichnen, nachdem sie drei ihrer Songs beim Sing & Swing Festival in Dortmund nicht nur einem fachkundigen Publikum, sondern auch einer hochkarätigen Jury präsentiert hatten. Schon die Teilnahme am WDR-Wettbewerb „Der beste Chor im Westen“ im Jahr 2018 erwies sich als besonderer Höhepunkt, bei dem der Chor eine ganz neue Seite des Chorlebens kennenlernte – inklusive Bühnen-Coaching, Fernsehauftritten und „Lampenfieber unbekannten Ausmaßes“. Trotz der Erfolge ist der Chor bodenständig geblieben. Das zeigen auch regelmäßige Benefizkonzerte für die Hospiz Stiftung Krefeld e.V. oder das stups-Kinderzentrum. „Wir sind ein gemeinnütziger Verein, da kann man das ruhig mal machen“, bemerkt Sängerin Kerstin trocken. Sie ist seit rund 24 Jahren an Bord und freut sich besonders über den „Schatz an lieben Menschen“, den sie seitdem getroffen hat.

Inzwischen ist die Probe in vollem Gange. Antje Wald dirigiert mit Körpereinsatz, leuchtenden Augen und knappen Ansagen von „ganz zart“ über „klingt wie ein Mozart-Chor“ bis „jetzt Wagner“. Die Akustik der kleinen Kirche und die präzise Kontrolle der Anwesenden über Lautstärke und Stimmvolumen beeindrucken. „Heute fehlen urlaubsbedingt zwei Bässe“, wispert Kerstin uns zu. Daher müssten die anderen etwas leiser sein, damit die Harmonie gewährleistet sei. „Lasst uns mal ‚September‘ singen“, schlägt die Chorleiterin vor. Notenblätter werden ausgepackt, Stimmen festgelegt, alle sind hochkonzen-triert und mit vollem Herzen dabei. Der bekannte Song von Earth, Wind & Fire geht auch ohne Instrumente ins Ohr. Weil Reporterin und Fotograf nicht bis zum Ende der zweistündigen Probe bleiben, dürfen wir uns ein Lied wünschen, das oft als Zugabe gegeben wird. Unsere Wahl fällt auf die Rockballade „Music“ von John Miles. Jetzt stellt sich tatsächlich Gänsehaut ein: Auch wenn heute nur zehn der insgesamt 20 Sängerinnen und Sänger anwesend sind, berührt diese gelungene Mischung aus Zartheit und Power ungemein. Takt halten ohne Metronom? Kein Problem. Wer in Zeiten wie diesen von den Zeilen „In this world of troubles, my music pulls me through“ nicht gepackt wird, muss schon ziemlich hartgesotten sein. Beim nächsten Konzert werden die silk-O-phonics wieder Töne singen, die die ganze Welt versteht. Und von Dingen erzählen, die man mit dem Verstand nicht greifen kann.
Termine und mehr Informationen finden sich unter silkophonics.de
Der Chor sucht Verstärkung: Sopran 2, Tenor, Bass 2 mit Chorerfahrung. Einfach melden über das Kontaktformular auf der Webseite.

Fotos: Felix Burandt

