
Wenn es gilt, Herausforderungen zu meistern, ist es immer sinnvoll, Kräfte zu bündeln. Genau das haben die drei evangelischen Gemeinden Alt-Krefeld, Pauluskirche und Friedenskirche getan, und sich zur „Evangelischen Stadtkirchengemeinde Krefeld“ zusammengeschlossen. Mit rund 12.500 Mitgliedern organisiert die neue Großgemeinde ein gutes Drittel aller evangelischen Christen Krefelds – und bietet mit Alter Kirche, Friedenskirche, Pauluskirche, Erlöserkirche und Johanneskirche fünf Orte für Gottesdienste. Das vereinigte Gemeindegebiet reicht von Inrath bis Forstwald und von der westlichen Stadtgrenze bis nach Cracau und zum Hülser Berg.
Den Gemeindeverantwortlichen ging es bei dieser Fusion vor allem darum, einen stabilen Rahmen für die eigene Arbeit zu schaffen: „Die Botschaft ist seit 2.000 Jahren dieselbe“, betont Pfarrer Marc-Albrecht Harms von der Friedenskirche. „Die Wege, auf denen wir sie verkünden, wandeln sich. Wir dürfen und müssen immer wieder etwas ändern. Stillstand ist der Tod!“ Auf der anderen Seite geben Traditionen und äußere Formen auch Halt: „Wir brauchen den festen Rahmen von Gottesdiensten und Kirchengebäuden. Unsere Kirchtürme sind unübersehbare Symbole für unseren Glauben“, ist er überzeugt.
Alle Anwesenden sind sich einig, dass Kirche viel mehr ist als der Sonntagmorgen-Gottesdienst. „Über das Evangelium wird nicht nur in der Kirche gesprochen. Es soll jeden Tag gelebt werden“, ist Laura Bowinkelmann, Pfarrerin in der Pauluskirche, überzeugt. „Wir sind offen für alle Menschen und ihre Bedürfnisse, von der Geburt bis zum Tod!“ Dies ist auch der Grund für die vielfältigen Angebote der Evangelischen Stadtkirchengemeinde – vom Klöncafé für Senioren bis zur Eltern-Kindergruppe „Rasselbande“. Voraussetzung für dieses dichte Angebot ist allerdings ehrenamtliches Engagement. Denn die vielen Aufgaben des Gemeindelebens lassen sich nicht mit bezahlten Angestellten realisieren.

„Wer bei uns ein Ehrenamt übernimmt, verpflichtet sich nicht nur zur Arbeit, sondern wird auch Teil einer Gemeinschaft – und kann sich entsprechend seiner Wünsche und Fähigkeiten einbringen“, erklärt Pfarrer Tillmann Böhme, einer der bisherigen Pfarrer der Kirchengemeinde Alt-Krefeld. „Wenn jemand zu uns kommt, fragen wir ihn oder sie: ‚Was kannst du und was willst du‘. Da findet sich immer etwas, dass Spaß macht.“ Und Dr. Günter Krenz, der Vorsitzende des Bevollmächtigtenausschusses, der Gemeindeleitung der Evangelischen Stadtkirchengemeinde, ergänzt: .„Für Ehrenamtler haben wir eine große Bandbreite von Aufgabenfeldern – von der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Senioren über Männer- und Frauengruppen und der Organisation von Kulturveranstaltungen, wie hier in der Friedenskirche, bis zu Funktionen in der Gemeindeleitung.“
Pfarrer Gerhard Herbrecht, der ebenfalls in der bisherigen Kirchengemeinde Alt-Krefeld arbeitete, findet es darüber hinaus sehr schade, wenn Menschen bis zur Rente warten, bevor sie sich ehrenamtlich engagieren: „Bei der Übernahme von Aufgaben ist man mit anderen zusammen, verbringt gemeinsame Zeit. Das ist auch ein gutes Mittel gegen Einsamkeit!“ Arbeit für die Gemeinde hat für die Engagierten sehr viel mit Freundschaft und Zugehörigkeit zu tun. Man ist Teil einer Gemeinschaft und tut zugleich etwas Sinnvolles. Das ist für alle Beteiligten der Kern des Ehrenamts. „Die evangelische Kirche ist immer schon ‚bottom-up‘ organisiert“, erklärt Andreas Rössler, der stellvertretende Vorsitzende des Bevollmächtigtenausschusses der neuen Gemeinde. „Das gewählte Presbyterium hat großen Einfluss auf alle Entscheidungen. Partizipation ist für uns nicht nur ein Schlagwort. Das wird jeden Tag gelebt. Alle, die möchten, sind eingeladen, sich einzubringen. Dazu muss man nicht Gemeindemitglied sein, und noch nicht einmal evangelisch. Wir bieten eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe, ohne zu missionieren“, versichert Rössler. Für Pfarrerin Laura Bowinkelmann beginnt die Beteiligung schon bei den Konfirmanden, den jungen Gemeindemitgliedern: „Die fordere ich immer wieder gerne auf, doch mal selbst einen Gottesdienst zu gestalten, wenn die Motivation am Sonntagmorgen vor Ort zu sein, mal nicht so groß ist“, berichtet sie. „Dass wir bei der Arbeit mit unseren ‚Konfis‘ einiges richtig machen, zeigt die große Beteiligung an unseren Konfi-Freizeiten. Gerade erst haben wir 80 Plätze für die Fahrt nach Wittenberg reserviert und viele Konfirmanden aus den Vorjahren fahren als Teamer mit“, freut sich Pfarrer Böhme.

„Der erste gemeinsame Gottesdienst unserer vereinigten Gemeinde mit über 280 Anwesenden war für uns alle sehr motivierend“, erinnert sich Pfarrer Marc-Albrecht Harms. „Aber natürlich ist uns klar, dass das nicht immer so sein wird“, gibt er zu. „Wir haben den Zusammenschluss unserer Gemeinden gut vorbereitet. Unsere neue Website ist seit Weihnachten online, wir haben ein schönes Logo — als Symbol für uns als Kirche in der Stadt für die Stadt, und wir werden reihum Gottesdienste für alle Gemeindemitglieder anbieten“, ergänzt Heinz-Jürgen Nötzel, Kirchmeister der neuen Gemeinde.
Zu guter Letzt bekräftigt Pfarrer Harms: „Letztendlich werden wir aber daran gemessen, was wir über die Organisation von Events und Kulturveranstaltungen hinaus zu sagen haben. Für mich ist das die Botschaft des Evangeliums, Gottes guter Nachricht an uns Menschen, in der Glaube, Liebe und Hoffnung ihre Basis haben. Das hat sich, wie bereits zu Anfang gesagt, in den letzten 2.000 Jahren nicht geändert!“
Evangelische Stadtkirchengemeinde Krefeld
stadtkirche-krefeld.de
Fotos: Felix Burandt

