Eine-Welt-Laden Krefeld

Die Welt zu Gast am Westwall

Christa Redeker übernahm 2018 den Vorsitz des Vereins Arbeitskreis Dritte Welt e. V.

Krefeld setzt ein Zeichen für Fair Trade: Seit 2018 trägt die Stadt den Titel „Fairtrade-Town“ und engagiert sich damit für gerechte Produktionsbedingungen und fairen Handel. Im selben Jahr übernahm Christa Redeker den Vorsitz des Vereins Arbeitskreis Dritte Welt e. V., der bereits 1976 durch Pfarrer Rudolph Weßler, die Krefelderin Gerlinde Wientgen und Mitglieder von Amnesty International gegründet wurde. Seit Jahrzehnten setzt sich der Verein für globale Gerechtigkeit ein. Ein sichtbares Zeichen dieses Engagements ist der Eine-Welt-Laden am Westwall 62 – und dieser feiert am 17. April sein 50-jähriges Jubiläum.

Zum runden Geburtstag hat sich der Verein bereits selbst ein Geschenk gemacht: einen neuen Look für den Laden. Nach kurzer Umbauphase öffnete der Eine-Welt-Laden am 27. Februar wieder seine Türen. „Früher lagen hier Filzteppiche, an der Wand zog sich ein breiter orangener Streifen, und die Einrichtung war etwas in die Jahre gekommen“, erinnert sich Christa Redeker. „Heute ist alles hell und freundlich.“ Tatsächlich fühlt man sich beim Betreten an einen modernen Concept Store erinnert – helles Holz, minimalistischer Stil und sorgfältig präsentierte Produkte. Alles wirkt gut durchdacht, jeder Winkel liebevoll gestaltet. Beim Blick in die Regale wird man schnell neugierig: Woher stammen diese Produkte – und welche Geschichten erzählen sie?

Für Christa Redeker steckt hinter all dem mehr als nur ein schönes Sortiment. „Fairer Handel bedeutet für uns, dass Menschen die Chance bekommen, würdevoll zu leben und ihre Zukunft selbst zu gestalten“, sagt sie. „Es geht um faire Preise, Austausch auf Augenhöhe und langfristige Partnerschaften – und auch darum, Frauen zu stärken.“ Im Sortiment fi nden sich ausschließlich zertifizierte, fair gehandelte Waren aus Kambodscha, Südafrika, Nepal, Kenia und weiteren Ländern. Regale mit Lebensmitteln, Dekoartikeln und Kleidung laden zum Stöbern ein. Neben Klassikern wie den bunten, handgeflochtenen Bolga-Körben entdeckt man besondere Schätze – etwa handgefilzte Osteranhänger oder Taschen aus recycelten Moskitonetzen.

Das Geschäft führt fair gehandelte Produkte aus der ganzen Welt.

Während sie durch den Laden führt, zeigt Redeker alte Fotos, die den Wandel der Räume dokumentieren. Doch wichtiger als die Renovierung ist ihr der Zusammenhalt der Menschen, die den Ladenbetrieb möglich machen: „Hinter dem Erfolg steht ein starkes Team. Rund 25 ehrenamtliche Mitarbeitende bringen sich mit viel Herzblut ein und tragen den Laden gemeinsam“, erklärt sie. Seit 50 Jahren lebt das Projekt von diesem Engagement. „Alle, die hier mitarbeiten, schenken der Welt und der Gemeinschaft ein Stück ihrer Zeit.“ Neue Helferinnen und Helfer sind jederzeit willkommen – im Laden selbst oder hinter den Kulissen bei der Bildungsarbeit, Öffentlichkeitsarbeit oder Organisation.

Dieses Miteinander spürt man schon beim Betreten des Eine-Welt-Ladens: Der Trubel der Stadt bleibt draußen, stattdessen empfängt eine ruhige und offene Atmosphäre die Besucher im Verkaufsraum. Die Mitarbeitenden nehmen sich Zeit für Gespräche, erzählen von der Herkunft der Produkte und informieren über aktuelle Projekte. Viele Stammkundinnen und Stammkunden kommen genau deshalb immer wieder – sie schätzen die Qualität der Waren ebenso wie die persönliche Ansprache.

Dabei ist der Eine-Welt-Laden längst mehr als ein Geschäft. Die Räume dienen auch als Lernort. Schulklassen und Gruppen können hier erfahren, wie fairer Handel funktioniert, woher die Produkte stammen und welche globalen Zusammenhänge bestehen. Zur Wiedereröffnung besuchte auch Oberbürgermeister Frank Meyer die renovierten Räume: „Der Besuch hat uns sehr gefreut und macht uns stolz“, sagt Redeker. „Es zeigt, dass die Stadt hinter uns steht und unsere Arbeit wertschätzt.“

Die Jubiläumsfeierlichkeiten gehen weiter: Am 10. April wird die Fotoausstellung „50 Jahre Weltladen Krefeld“ eröffnet, die die Entwicklung des Ladens dokumentiert. Dabei erinnert Redeker auch an Mitbegründerin Gerlinde Wientgen, die im vergangenen Jahr im Alter von 90 Jahren verstorben ist. „Sie hat immer gesagt: Wir möchten dabei helfen, die Schere zwischen Arm und Reich zu schließen. Dieser Satz prägt unsere Arbeit bis heute.“

Gerade mit Blick auf die weltpolitische Lage wird deutlich: Die Mission ist aktueller denn je. Der Eine-Welt-Laden am Westwall ist deshalb weit mehr als ein Geschäft – er ist ein Ort der Hoffnung, an dem Fairness, Solidarität und globale Verantwortung im Alltag gelebt werden.

Eine-Welt-Laden Krefeld
Westwall 62
47798 Krefeld
fair-rhein.de
Öffnungszeiten:
Montag, Dienstag, Donnerstag & Freitag 10-18 Uhr
Mittwoch & Samstag: 10-14 Uhr

Fotos: Lucas Coersten
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