Fünf Jahre schon? Die Zeit fliegt, aber wem sagen wir das. Zwar waren wir während der Vorbereitungen zur ersten Ausgabe überzeugt, mit dem CREVELT Magazin ähnlich erfolgreich sein zu können wie zuvor mit der KR-ONE, aber sicher war das im Sommer des ersten Coronajahres keineswegs. So manches Mal mussten wir während der Pandemie die Zähne zusammenbeißen, aber am Ende waren die Befürchtungen, unser Magazin könnte vielleicht nicht angenommen werden, unbegründet. Umso mehr freut es uns, heute entspannt auf die vergangenen fünf Jahre zurückschauen zu können und in Erinnerungen zu schwelgen.

Die meisten Menschen würden das Jahr 2020 wahrscheinlich am liebsten aus ihrem Gedächtnis löschen: Die Pandemie stellte unser aller Leben auf den Kopf und führte zu gesellschaftlichen Verwerfungen, die auch heute noch nachhallen. Für mich — und wahrscheinlich auch den Rest unseres Teams — war es aber vor allem ein Jahr des Aufbruchs. Ich erinnere mich noch sehr genau daran, wie wir einen neuen Namen für unser Magazin finden mussten, als klar war, dass es die KR-ONE nicht mehr geben würde; wie wir die erste Ausgabe planten und eine Redaktion zusammenstellten; wie wir plötzlich erfuhren, dass ein ehemaliger Mitstreiter entgegen voriger Aussagen mit einem eigenen Magazin an den Start gehen würde; und wie wir letztlich in der Redaktion bis spät in die Nacht zusammensaßen, um an jedem einzelnen Layout, an jeder Headline, an jedem Satz zu feilen. Und natürlich an das unbeschreibliche Gefühl, das fertige Magazin anschließend in den Händen halten und in Krefeld vorstellen zu können.
Klar war uns, dass wir mit einem Knaller auf der Titelseite starten mussten: Uns war für die Premiere ein echter Coup gelungen, denn der damalige Zoodirektor Dr. Wolfgang Dreßen hatte uns zugesagt, mit uns zum ersten Mal über die Ereignisse der furchtbaren Brandkatastrophe der vorangegangenen Silvesternacht zu sprechen. In einem ausführlichen Gespräch gab er uns einen Einblick in seine Gemütslage, führte uns in die verkohlte Ruine des Affenhauses und schilderte uns seine Pläne für die Zukunft des Zoos. Es war eine perfekte Titelgeschichte und ein verheißungsvoller Auftakt.

Unser Anspruch war es von Anfang an, in jeder Ausgabe eine gute inhaltliche Balance zu schaffen: auf der einen Seite Krefelder Geschäften, Unternehmen und Gastronomien Platz zu geben, auf der anderen Geschichten zu erzählen und Menschen zu porträtieren, die diese Aufmerksamkeit unserer Meinung nach verdienten. So stießen wir etwa auf die kleine Josie und ihre Familie: Das Mädchen war mit dem Angelman-Syndrom zur Welt gekommen, einem überaus seltenen Gendefekt. Menschen, die darunter leiden, entwickeln sich körperlich normal, bleiben geistig aber im kindlichen Stadium stehen. Josie spricht fast gar nicht und sie benötigt kaum Schlaf: eine enorme Herausforderung für die Eltern, die keiner normalen Arbeit nachgehen können und ihre Tochter rund um die Uhr betreuen müssen. Wir riefen unsere Leser dazu auf, für die Familie zu spenden. Sie wünschte sich unter anderem ein Lastenfahrrad, um die Vierjährige transportieren zu können: Leistungen, die die Krankenkasse nicht erbringen wollte. Wir hatten gehofft, es würde genug Geld eingehen, um der Familie diesen Wunsch zu erfüllen, doch die Resonanz übertraf unsere kühnsten Erwartungen: Insgesamt 20.000 Euro gingen auf dem Spendenkonto ein; ein Ergebnis, das uns bewusst machte, was wir mit unserem Magazin leisten konnten.

Eine ganz ähnliche Wirkung erzielten wir auch mit unserem Porträt des Hospizleiters Alexander Henes im Rahmen unserer Heroes-in-Krefeld-Reihe: Es ist auch seiner Präsenz in der Krefelder Öffentlichkeit zu verdanken, dass das Tabuthema „Tod“ hier immer wieder an die Oberfläche drängt. Mit seiner offenen, ehrlichen, unverstellten Art und seiner Bereitschaft, auch mal undiplomatisch zu sein, wenn es die Situation erfordert, hat er das Hospiz und die Not, die viele Menschen in ihren letzten Tagen erleiden, zu einer Institution gemacht, die ein fester Bestandteil der Krefelder Gemeinschaft ist. Der Hospizlauf, der jedes Jahr stattfindet und aus allen Krefelder Stadtteilen sternförmig zum Blumenplatz führt, versinnbildlicht dies. Unsere Darstellung des Hospizleiters beeindruckte einen Leser so sehr, dass er persönlich bei Henes vorstellig wurde, mit unserem Magazin in der Tasche — und dem Hozpiz kurzerhand 10.000 Euro spendete.

Unser Einsatz für den Surfpark erhitzte die Gemüter.
Leider reicht der Platz an dieser Stelle nicht, um all die Menschen zu erwähnen, die uns in 50 Ausgaben CREVELT beeindruckt, bewegt, zum Nachdenken oder auch zum Lachen gebracht haben. Aber es gibt eine Person, auf die wir hier unbedingt noch eingehen müssen — auch weil unsere Verbindung mit ihr in den vergangenen Jahren immer wieder Anlass für Anfeindungen und Spekulationen war. Entgegen aller kursierenden Stimmen war es nämlich keineswegs eine wirtschaftliche Entscheidung, uns für Andreas Niedergesäss und den Bau des Surfparks einzusetzen. Initialzündung für die Verbindung war ein Treffen mit ihm, in dem er uns mit großer Begeisterung und Enthusiasmus an seiner Vision für den Elfrather See teilhaben ließ. Die persönliche Sympathie war es — gekoppelt an die Überzeugung, dass der Surfpark eine echte Chance für Krefeld darstellen würde —, die zum Entschluss führte, weiter mit ihm zusammenzuarbeiten und sein Projekt zu unterstützen. Wir bedauern es, dass es im aktuellen politischen Klima anscheinend nicht möglich ist, für den Surfpark zu sein, ohne persönlich angefeindet und moralisch abgeurteilt zu werden. So mussten wir uns nachsagen lassen, korrupt zu sein, zu lügen, gegen Umwelt- und Klimaschutz und sogar bewusst gegen die Interessen der Krefelder Bürgerschaft zu handeln. Eine Nummer kleiner wäre es sicherlich auch gegangen.
Andererseits: Wenn man ein Magazin herausgibt, muss man damit leben können, nicht allen zu gefallen — und das ist ja auch gar nicht unser Anspruch. Für die nächsten fünf Jahre wünschen wir uns daher folgerichtig zahlreiche weitere spannende Begegnungen und Artikel, die Ihre Gemüter hoffentlich ebenso bewegen und erregen wie die unseren. Wir hoffen, Sie sind dabei!
Fotos: Luis Nelsen und Felix Burandt