Hummaid e.V.

Das „Ja“, das Brunnen baut

Hummaid-Mitbegründer Kadir Erol.

Manchmal sind die spontanen Entscheidungen die besten. Ein offenes, kurzentschlossenes „Ja“ birgt so viel mehr Potenzial als ein ängstliches „Nein“. Doch wie oft lassen wir Gelegenheiten verstreichen, weil wir zu vorsichtig sind, zu skeptisch, zu pessimistisch? Der Krefelder Verein Hummaid e.V. hat in den erst sieben Jahren seines Bestehens Beachtliches geleistet. Er hat in Burkina Faso 18 Trinkwasserbrunnen und ein Waisenhaus gebaut sowie eine Schule im Erdbebengebiet in der Türkei. Er hat Kindern ein neues Zuhause gegeben, Hoffnung auf eine bessere Zukunft — und wahrscheinlich unzählige Leben gerettet. Das alles lässt sich auf ein einziges, kurzes Telefonat zurückführen. Auf ein Telefonat, in dem die Unternehmer Kadir Erol und Ali Altunay einfach „Ja“ sagten.

Mit Einsatz, Freude und Stolz für die gute Sache im Einsatz: Viktoria Rose.

Fünf Jahre in die Zukunft vorgespult, möchte Kadir — zusammen mit seinem langjährigen Freund Ali Altunay einer der Köpfe von Hummaid e.V. — nicht schon wieder im Mittelpunkt der Berichterstattung stehen. „Es sind eigentlich die vielen Ehrenamtler, die den Verein ausmachen und die viele Arbeit erledigen“, erklärt Kadir mir. Engagierte Mitglieder wie zum Beispiel Viktoria Rose. Die 30-Jährige ist seit 2021 im Verein, Vorstandsmitglied und das, was man so schön „Schatzmeisterin“ nennt. „Ich kümmere mich um die Finanzen und die Buchhaltung“, sagt sie mit einem offenen, herzlichen Lächeln. Ali Altunay, in ihrem Hauptberuf ihr Chef, sprach sie eines Tages an, ob sie nicht Lust habe, bei Hummaid mitzuarbeiten. Auch sie sagte sofort zu, ganz ohne Druck durch den Vorgesetzten, wie sie lachend versichert. Und ihre Entscheidung hat sie zu keiner Sekunde bereut: „Was wir in so kurzer Zeit erreicht haben, macht mich unheimlich stolz“, gesteht die Prokuristin. „Es ist einfach sehr motivierend, wenn ich sehe, was möglich ist, wenn Menschen an einem Strang ziehen.“

Im vergangenen Jahr war sie zum ersten Mal mit in Burkina Faso, hat die unfassbare Armut der Menschen dort aus nächster Nähe erlebt und verstanden, was sie mit ihrem Engagement tatsächlich bewirkt. „Die Menschen dort haben wirklich nichts“, berichtet sie, „noch nicht einmal Schatten, in den sie sich zurückziehen können. Trotzdem begegnen sie einem mit so viel Offenheit und Herz. Diese Erfahrung hat meinen Blick auf das Leben von Grund auf verändert. Die Dinge, die wir hier als Probleme betrachten, sind nichts.“

Kinder leiden ganz besonders unter der Armut in Burkina Faso. Jedes zehnte Kind stirbt noch vor Erreichen des fünften Lebensjahres.

Burkina Faso, in Westafrika gelegen, ist eines der ärmsten Länder der Welt. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt etwa 60 Jahre, 10 Prozent der Kinder sterben noch vor Erreichen des fünften Lebensjahres an Hunger oder an den vielen Krankheiten und der mangelhaften medizinischen Versorgung. Vor zwei Jahren wurde das unsichere Land von einem Militärputsch in Tumult gestürzt, dazu grassiert der dschihadistische Terror. Für Kinder, die in diesen Verhältnissen aufwachsen, gibt es kaum eine Chance, der Not zu entkommen. Das Waisenhaus, das Hummaid mit Spenden finanziert und mit Unterstützung einheimischer Unternehmen gebaut hat, soll zumindest einigen von ihnen den Weg in eine bessere Zukunft ebnen. Aktuell bietet es 100 Waisen im Alter von 1 bis 16 Jahren ein Zuhause und 12 medizinischen Betreuern und Pädagogen einen Arbeitsplatz. Für den Bau sammelte der Verein innerhalb kürzester Zeit die benötigten 200.000 Euro ein. Direkt nebenan entstand eine Schule: Bildung ist der einzige Ausweg aus dem Teufelskreis der Armut. Das andere Großprojekt ist der Brunnenbau: Die 18 Brunnen, die Hummaid im ganzen Land errichtet hat, spenden über 100.000 Menschen Wasser. Von Sonnenenergie betrieben, holen sie das Grundwasser aus 100 Metern Tiefe und sammeln es in Speichern.

Hummaid hat in Burkina Faso
bereits 18 Trinkwasserbrunnen gebaut.

Genau mit einem solchen Brunnen fing vor sieben Jahren die Geschichte des Vereins an. „Mein Freund Ali rief mich an und sagte mir, wir bräuchten insgesamt 15.000 Euro, um einen Brunnen in Burkina Faso zu bauen“, erinnert sich Kadir lächelnd an das folgenreiche Gespräch. „Ich sagte zu, ohne zu überlegen. Uns ist einfach kein guter Grund eingefallen, das abzulehnen.“ Einige Wochen später, Kadir hatte den Brunnenbau schon wieder vergessen, klingelte Ali erneut durch: „Er sagte nur ,Kadir, pack deine Sachen, wir fahren zur Brunneneinweihung nach Burkina Faso’.“ Auch hier wieder: kein Nein, sondern ein klares Ja. Was die beiden vor Ort sahen und erlebten, ließ sie nicht wieder los. „Die Zustände in einem Waisenhaus, das wir besichtigten, waren unbeschreiblich. Noch auf dem Rückflug war uns klar, dass wir etwas tun mussten. Wir kamen zu Hause an und gründeten Hummaid.“

Das Waisenhaus bietet 100 Kindern ein sicheres Zuhause.

Der auf den ersten Blick ungewöhnliche Vereinsname setzt sich zusammen aus den Begriffen „human“, „aid“ und „umma“, was so viel bedeutet wie „Gemeinschaft“. Der Verein selbst besteht aktuell aus etwa 35 Mitgliedern, wovon sich 20 aktiv engagieren. Kadir bringt das Talent mit, Sponsoren und Spender zu gewinnen, Ali verfügt als Bauingenieur über das Know-how, das nötig ist, Projekte wie den Bau eines Waisenhauses zu stemmen. Spender können für 50 oder 100 Euro Patenschaften für Waisenkinder übernehmen oder auch 30 Euro für Lebensmittelpakete spenden, die regelmäßig gepackt werden. „Von einem Paket lebt eine burkinische Familie etwa einen Monat lang“, weiß Viktoria. Dazu gibt es zahlreiche weitere humanitäre Projekte, etwa in der Türkei, in Marokko oder aktuell im Gaza-Streifen. Ganz wichtig ist dem Verein, dass Spender sehen, was mit ihrem Geld passiert ist: „Wir machen bei jedem Besuch unzählige Fotos und Videos, beschriften Lebensmittelpakete mit Namen und sorgen so dafür, dass es handfeste Belege gibt“, bestätigt Viktoria.

Im Winter werden Ali und Kadir zum mittlerweile achten Mal nach Burkina Faso reisen, um sich den Fortschritt ihrer Schützlinge anzuschauen und gute Kontakte zu pflegen. „Seit ich das mache, ist mir so viel Gutes passiert“, sagt Kadir bedeutungsvoll. „Ich glaube nicht, dass das Zufall ist.“ Wir sollten viel häufiger Zuversicht zeigen und mit gutem Beispiel vorangehen. Einfach „Ja“ sagen. Und Dinge nachhaltig verändern.

Hummaid e.V.
Ostwall 223
47798 Krefeld
Telefon: 02151 – 3873392

Spendenkonto:
Volksbank Krefeld: DE08 3206 0362 4006 5640 09
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Fotos: Niklas Breuker & Hummaid e. V.
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